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Ratgeber · Wissen

Solarmodule aus China: Qualität und Lieferkette

Wie stark China die Fertigung beherrscht, was das über die Qualität aussagt, welche Risiken bleiben und worauf Sie beim Kauf achten.

Redaktion: René LindelaubStand 27. September 20263 Minuten LesezeitSo rechnen wir

Die Frage „chinesisch oder europäisch“ wird meist als Qualitätsfrage gestellt. Sie ist keine. Sie ist eine Frage von Gewährleistung, Lieferkette und Abhängigkeit – und die Antworten fallen anders aus, als das Klischee vermuten lässt.

Wie stark die Konzentration ist

Anteil Chinas an der weltweiten FertigungAnteil an der Weltproduktion je Fertigungsstufe: Polysilizium 93 Prozent, Wafer 97 Prozent, Zellen 90 Prozent, Module 85 Prozent. Je weiter vorn in der Kette, desto größer der Anteil.93 %Polysilizium97 %Wafer90 %Zellen85 %Module
Je weiter vorne in der Wertschöpfungskette, desto vollständiger die Konzentration. Selbst ein Modul, das in Europa zusammengesetzt wird, enthält fast immer Wafer aus chinesischer Fertigung.

Das ist der Kern: „Made in Germany“ auf einem Modul bezeichnet in aller Regel die Endmontage. Die Zelle, der Wafer und das Polysilizium stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus derselben Quelle wie beim chinesischen Wettbewerber.

Was das über die Qualität sagt

Wenig. Die Fertigungsstraßen sind weltweit dieselben Maschinen, die Prüfnormen dieselben. Ein Modul mit Zertifikat nach IEC 61215 und IEC 61730 hat die Bauartprüfung bestanden, gleich wo es gefertigt wurde. Qualitätsunterschiede gibt es – aber zwischen Herstellern, nicht zwischen Ländern.

Woran es wirklich hängtWarum
Bonität des HerstellersEine 25-Jahre-Garantie ist nur so viel wert wie das Unternehmen, das sie geben soll. Prüfen Sie, wie lange es die Marke schon gibt.
Europäische NiederlassungOhne Ansprechpartner in der EU wird ein Garantiefall zum Papierkrieg. Mit Niederlassung greift zudem europäisches Recht leichter.
Bankability-EinstufungRatings wie die von PV-Tec oder Bloomberg sagen mehr über die Überlebenswahrscheinlichkeit als jedes Herkunftsland.
Unabhängige PrüfberichteErgebnisse von TÜV, VDE oder PVEL zu Degradation und Belastungstests – die zeigen Unterschiede, die das Datenblatt verschweigt.
Der ausführende BetriebIhr Vertragspartner ist der Installateur, nicht der Hersteller. Er haftet zuerst – siehe Angebot prüfen.
Keine dieser fünf Fragen lässt sich durch das Herkunftsland beantworten. Deshalb ist es das schwächste Auswahlkriterium, das es beim Modulkauf gibt.

Die Risiken, die bleiben

  • Lieferkette. Eine derart konzentrierte Fertigung ist störanfällig. Die Engpässe von 2021 und 2022 haben gezeigt, wie schnell Preise und Lieferzeiten reagieren.
  • Handelspolitik. Zölle oder Einfuhrbeschränkungen schlagen unmittelbar auf die Preise durch – in beide Richtungen.
  • Lieferkettengesetz und Herkunftsnachweise. Für gewerbliche Käufer ab bestimmter Größe ist die Herkunft des Polysiliziums inzwischen eine Sorgfaltspflicht. Für private Bauherren nicht.
  • Ersatzteile. Bei Modulen unkritisch – sie sind austauschbar. Beim Wechselrichter dagegen zählt die Verfügbarkeit von Firmware und Service über Jahre.
Was europäische Fertigung kostet

Module aus europäischer Produktion liegen typischerweise 15 bis 30 Prozent über dem Preis vergleichbarer Importware. Bei einer 10-kWp-Anlage sind das 300 bis 800 Euro – gemessen an der Gesamtinvestition wenig. Wem die Herkunft wichtig ist, zahlt dafür also einen überschaubaren Aufpreis; nur sollte er wissen, dass er damit die Endmontage kauft und nicht die ganze Kette.

Was Sie praktisch tun können

  1. Zertifikate prüfen: IEC 61215, IEC 61730, dazu die Leistungs- und Produktgarantie in Jahren und Prozent.
  2. Nach der europäischen Adresse fragen, an die ein Garantiefall geht.
  3. Den Installateur als Ansprechpartner festhalten – schriftlich, mit Zusage, im Garantiefall die Abwicklung zu übernehmen.
  4. Wenn Herkunft wichtig ist: nach der Fertigungsstufe fragen, nicht nach dem Aufkleber. „Zellfertigung in der EU“ ist eine andere Aussage als „Montage in der EU“.

Häufige Fragen

Halten chinesische Module kürzer?

Die Felddaten geben das nicht her. Degradationsraten der großen Hersteller liegen einheitlich bei 0,3 bis 0,5 Prozent im Jahr, unabhängig vom Standort der Fabrik.

Gibt es noch deutsche Modulhersteller?

Einige, überwiegend mit Endmontage und in Nischen wie Glas-Glas, Sonderformaten oder Indachsystemen. Die Zellfertigung ist in Deutschland weitgehend verschwunden – die Geschichte dazu steht unter Geschichte der Solarenergie.

Was ist mit den Arbeitsbedingungen?

Für einen Teil der Polysiliziumproduktion gibt es dokumentierte Vorwürfe. Wer das ausschließen will, braucht eine belastbare Herkunftsangabe für das Polysilizium – nicht für das Modul.

Lohnt es sich, auf europäische Fertigung zu warten?

Nein. Der Aufbau läuft, aber langsam. Jedes Jahr Wartezeit kostet einen vollen Jahresertrag.

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Quellen

  • Fraunhofer ISE: Photovoltaics Report – Produktionsanteile je Fertigungsstufe
  • IEC 61215 und IEC 61730 – Bauartprüfung und Sicherheit
  • PVEL Module Reliability Scorecard – unabhängige Belastungstests
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