Solarmodule: Typen, Wirkungsgrad und Auswahl
Modultypen im Vergleich: Wirkungsgrad, Fläche je kWp und Temperaturkoeffizient in einer Tabelle – und die drei Entscheidungen, die beim Modulkauf zählen.
Die Frage „monokristallin oder polykristallin?“ ist beantwortet: Über 95 Prozent der neu verbauten Module sind monokristallin, polykristalline gibt es neu nicht mehr zu kaufen. Was bleibt, sind drei Entscheidungen, die tatsächlich etwas ausmachen – und die in kaum einem Angebot erklärt werden.
- Der Typ ist entschieden. Für ein Hausdach kommt praktisch nur monokristallines Silizium infrage. Alles andere ist entweder nicht mehr lieferbar oder braucht zu viel Fläche.
- Der Wirkungsgrad entscheidet über den Platzbedarf, nicht über die Qualität. Zwei Module mit 21 Prozent können sich in Haltbarkeit und Garantie deutlich unterscheiden.
- Der Temperaturkoeffizient wird unterschätzt. Zwischen −0,29 und −0,35 Prozent je Grad liegen an einem Hochsommertag mehrere Prozent Leistung.
- Die Garantie ist zweigeteilt. Produktgarantie und Leistungsgarantie sind verschiedene Dinge – und nur eine davon nützt Ihnen, wenn das Modul kaputtgeht.
Die Typen auf einen Blick
Den Typ erkennt man an der Oberfläche, bevor man ein Datenblatt aufschlägt: gleichmäßiges Schwarz mit abgeflachten Ecken bei monokristallinen Zellen, blau schimmernde Kristallflächen bei polykristallinen, durchlaufende Bahnen ohne Zellstruktur bei Dünnschicht.
- Monokristallin20 bis 23 %Wirkungsgrad210kWh je m² und Jahr140 €Modulpreis je kWp
- Polykristallin15 bis 17 %Wirkungsgrad152kWh je m² und Jahr130 €Modulpreis je kWp
- CdTe18 bis 19 %Wirkungsgrad184kWh je m² und Jahr160 €Modulpreis je kWp
- CIS und CIGS15 bis 17 %Wirkungsgrad155kWh je m² und Jahr325 €Modulpreis je kWp
- Amorph (a-Si)6 bis 9 %Wirkungsgrad69kWh je m² und Jahr600 €Modulpreis je kWp
Die Modultypen im Vergleich
| Typ | Wirkungsgrad | m² je kWp | kWh je kWp | kWh je m² | Modulpreis je kWp |
|---|---|---|---|---|---|
| Monokristallin | 20 bis 23 % | 4,3 bis 5,0 | 950 bis 1000 | 210 | 110 bis 170 € |
| CdTe | 18 bis 19 % | 5,3 bis 5,6 | 980 bis 1030 | 184 | 130 bis 190 € |
| Polykristallin | 15 bis 17 % | 5,9 bis 6,7 | 930 bis 980 | 152 | 100 bis 160 € |
| CIS und CIGS | 15 bis 17 % | 5,9 bis 6,7 | 950 bis 1000 | 155 | 250 bis 400 € |
| Amorph (a-Si) | 6 bis 9 % | 11,0 bis 16,0 | 900 bis 960 | 69 | 400 bis 800 € |
Was die Typen an Strom liefern
Das ist die wichtigste Unterscheidung dieser Seite. Je Kilowatt peak liefern alle Typen ähnlich viel; CdTe liegt sogar leicht vorn, weil es bei Hitze und diffusem Licht weniger verliert. Je Quadratmeter Dach aber liefert monokristallines Silizium mit rund 210 Kilowattstunden fast das Dreifache von amorphem mit 69. Wer eine begrenzte Dachfläche hat, kauft nicht Wirkungsgrad, sondern Kilowattstunden je Quadratmeter.
Was die Typen kosten
Bei einer schlüsselfertigen Anlage für rund 1375 Euro je Kilowatt peak kosten die monokristallinen Module etwa 140 Euro – rund 10 Prozent. Wechselrichter, Unterkonstruktion, Elektroarbeiten, Gerüst und Handwerk machen den Rest. Deshalb verschiebt die Wahl des Modultyps den Anlagenpreis kaum: Selbst der teuerste Typ in dieser Übersicht hebt den Preis je Kilowatt peak um weniger als ein Drittel, und die billigen Typen senken ihn um wenige Prozent.
Was der Wirkungsgrad wirklich bedeutet
Der Modulwirkungsgrad sagt, welcher Anteil des auftreffenden Lichts zu Strom wird. Er ist eine Flächenangabe, keine Qualitätsangabe: Ein Modul mit 22 Prozent liefert auf demselben Platz mehr als eines mit 19 – aber über Haltbarkeit, Verarbeitung und Garantie sagt die Zahl nichts.
Praktisch wird sie erst im Verhältnis zur Dachfläche. Solange das Dach groß genug ist, können Sie den Wirkungsgrad vernachlässigen und auf den Preis je Watt peak schauen. Erst wenn die Fläche knapp wird – oder eine Wärmepumpe und ein Elektroauto dazukommen – wird jedes Prozent bares Geld.
Angebote vergleichen sich schlecht über die Modulzahl: 18 Module zu 440 Watt sind 7,9 Kilowatt peak, 20 Module zu 400 Watt sind 8,0. Fragen Sie nach der installierten Leistung und dem Preis je Kilowatt peak – alles andere führt in die Irre. Der Angebots-Check rechnet es aus.
Der Temperaturkoeffizient: die unterschätzte Zahl
Module werden im Sommer 50 bis 70 Grad heiß, und mit der Temperatur sinkt die Spannung. Der Temperaturkoeffizient im Datenblatt gibt an, wie viel Leistung je Grad über 25 Grad verloren geht – üblich sind −0,29 bis −0,35 Prozent je Grad.
Was das ausmacht: Bei 60 Grad Modultemperatur sind das 35 Grad über der Prüfbedingung. Mit −0,35 Prozent je Grad verliert das Modul 12,3 Prozent Leistung, mit −0,29 Prozent nur 10,2. Über zwei Prozentpunkte Unterschied – und zwar genau dann, wenn die Anlage am meisten liefern könnte. Bei Modulen mit Heterojunction-Zellen liegt der Wert noch etwas günstiger.
Was in den Garantien steht
Jedes Modul hat zwei Garantien, und sie werden regelmäßig verwechselt:
- Die Produktgarantie deckt Material- und Verarbeitungsfehler – ein gebrochenes Glas, eine defekte Anschlussdose, eindringende Feuchtigkeit. Üblich sind 12 bis 15 Jahre, bei Glas-Glas-Modulen 25 bis 30. Das ist die Garantie, die zählt, wenn wirklich etwas kaputtgeht.
- Die Leistungsgarantie sichert eine Mindestleistung nach einer bestimmten Zeit zu, typisch 85 bis 90 Prozent nach 25 Jahren. Sie greift nur, wenn Sie den Leistungsverlust nachweisen können – was eine Messung erfordert, die Sie oft selbst bezahlen.
- Der Garantiegeber ist entscheidend. Eine 30-Jahres-Garantie eines Herstellers ohne europäische Niederlassung ist schwer durchzusetzen. Fragen Sie, wer im Garantiefall Ihr Ansprechpartner ist – der Betrieb vor Ort oder ein Postfach in Übersee.
- Bei gebrauchten Modulen ist beides in der Regel weg: Herstellergarantien enden meist mit dem Ersterwerber. Was dann noch bleibt und wann sich der Kauf trotzdem rechnet, steht unter Gebrauchte Solarmodule.
Woran Sie ein gutes Modul erkennen
- Leistung und Preis je Kilowatt peak statt Modulzahl und Endsumme.
- Temperaturkoeffizient besser als −0,32 Prozent je Grad.
- Produktgarantie von mindestens 15 Jahren, bei Glas-Glas 25 oder mehr.
- Leistungsgarantie von mindestens 85 Prozent nach 25 Jahren.
- Hersteller mit europäischer Niederlassung und einem Betrieb vor Ort, der die Abwicklung übernimmt.
- Zertifikate nach IEC 61215 und IEC 61730 – das ist die Grundvoraussetzung, keine Auszeichnung.
Wer nach einem Testsieger sucht, findet unter Photovoltaik im Test, was Stiftung Warentest und die Prüfinstitute tatsächlich untersuchen – und warum die Frage nach dem besten Modul die falsche ist.
Die Typen im Einzelnen
- Monokristallin – Monokristalline Module bestehen aus Zellen, die aus einem einzigen, fehlerarmen Siliziumkristall geschnitten sind.
- Polykristallin – Polykristalline Module entstehen aus gegossenem statt gezogenem Silizium.
- CdTe – CdTe ist die erfolgreichste Dünnschichttechnik: Sie erreicht inzwischen fast den Wirkungsgrad kristalliner Module und hat das beste Temperaturverhalten am Markt.
- CIS und CIGS – CIS steht für Kupfer-Indium-Selenid, CIGS ergänzt Gallium.
- Dünnschicht – Dünnschicht ist keine einzelne Technik, sondern ein Oberbegriff für Module, bei denen eine wenige Mikrometer dünne Halbleiterschicht auf einen Träger aufgedampft wird – statt aus Siliziumscheiben gesägt zu werden.
- Amorph (a-Si) – Amorphes Silizium war die erste Dünnschichttechnik im Massenmarkt – bekannt aus Taschenrechnern und Uhren.
Häufige Fragen
Welches Modul ist das beste?
Die Frage führt in die Irre. Unter den monokristallinen Modulen der bekannten Hersteller sind die Unterschiede klein – größer ist der Unterschied zwischen zwei Betrieben, die dasselbe Modul verbauen. Achten Sie auf Garantie, Temperaturkoeffizient und darauf, wer im Schadensfall zuständig ist.
Machen bifaziale Module Sinn auf dem Hausdach?
Selten. Bifaziale Module nehmen auch von der Rückseite Licht auf – das bringt auf hellem Untergrund und bei aufgeständerter Montage 5 bis 15 Prozent. Auf einem Ziegeldach mit geringem Abstand zur Dachhaut kommt hinten kaum Licht an. Auf Flachdach, Carport oder Freifläche sieht es anders aus.
Wie lange halten Solarmodule wirklich?
Feldstudien an Anlagen aus den 1980er und 1990er Jahren zeigen Leistungsverluste von 0,2 bis 0,5 Prozent im Jahr – viele dieser Anlagen laufen bis heute. Die übliche Annahme von 25 bis 30 Jahren Nutzungsdauer ist eher konservativ; das schwächste Glied ist der Wechselrichter.
Spielt das Herkunftsland eine Rolle?
Für die Qualität weniger als vermutet – die großen chinesischen Hersteller liefern den Weltmarkt und produzieren auf demselben technischen Stand. Für die Durchsetzbarkeit von Garantien spielt die europäische Niederlassung eine Rolle. Mehr unter Solarmodule aus China.
Was passiert mit den Modulen am Ende?
Sie fallen unter das Elektrogesetz und müssen zurückgenommen werden. Glas, Aluminium und Kupfer werden verwertet, Silizium bisher nur teilweise. Einzelheiten unter Recycling von Solarmodulen.
Quellen
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026 – Wirkungsgrade, Marktanteile, Degradationsraten, Temperaturverhalten
- Datenblätter gängiger Hersteller, Stand September 2026 – Flächenbedarf, Garantien, Zertifikate
- IEC 61215 (Bauartzulassung) und IEC 61730 (Sicherheit) – Prüfnormen für Solarmodule
Was eine Anlage mit diesen Modulen kostet, steht unter Preise 2026. Wie viel davon auf Ihr Dach passt, rechnet der Dach-Check aus.