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Ratgeber · Im System

Speicher und dynamischer Stromtarif: laden, wenn der Preis fällt

Wie ein Speicher am Börsenpreis verdient, was das im Jahr bringt, welche Technik nötig ist und an welchen vier Stellen die Rechnung kippt.

Redaktion: René LindelaubStand 27. September 20265 Minuten LesezeitSo rechnen wir

Ein Speicher, der nur Sonnenstrom von mittags in den Abend schiebt, nutzt einen Bruchteil seiner Möglichkeiten. Mit einem dynamischen Tarif kommt ein zweites Geschäft dazu – und mit ihm mehr Zyklen, die die Kosten je gespeicherter Kilowattstunde senken.

Tagesspanne des Börsenpreises nach JahreszeitMittlere Differenz zwischen günstigster und teuerster Stunde eines Tages in Cent je Kilowattstunde: Frühjahr 14,5, Sommer 9,0, Herbst 12,0, Winter 16,5.14,5 ctFrühjahr9 ctSommer12 ctHerbst16,5 ctWinter
Je größer die Tagesspanne, desto mehr bringt das Verschieben. Im Sommer drücken die Solaranlagen die Mittagspreise, die Abendpreise bleiben moderat – dann ist die Spanne klein. Im Winter ist sie am größten.

Das Prinzip

Ein dynamischer Tarif gibt den stündlichen Börsenpreis an Sie weiter, zuzüglich Netzentgelt, Abgaben und Steuern. Die Spanne zwischen der günstigsten und der teuersten Stunde eines Tages liegt im Mittel bei 8 bis 15 Cent je Kilowattstunde, an einzelnen Tagen deutlich darüber. Ein Speicher, der in der günstigen Stunde lädt und in der teuren entlädt, verdient diese Spanne – abzüglich der Verluste.

Was von der Spanne übrig bleibt

Von 12 Cent Spanne bleiben nach dem Umweg über die Batterie mit 90 Prozent Wirkungsgrad rund 9,6 Cent. Davon abzuziehen sind die Kosten des zusätzlichen Zyklus – bei einem 10-Kilowattstunden-Speicher rund 20,7 Cent je Kilowattstunde. Es bleibt ein einstelliger Cent-Betrag. Das ist kein Geschäftsmodell, aber es verbessert die Gesamtrechnung spürbar.

Was es bringt

Rechnen Sie mit 60 bis 120 zusätzlichen Vollzyklen im Jahr, wenn die Steuerung gut ist. Bei einem 10-Kilowattstunden-Speicher sind das 600 bis 1.200 Kilowattstunden zusätzlicher Durchsatz. Bei einer verbleibenden Spanne von 6 Cent ergibt das 36 bis 72 Euro im Jahr – und, wichtiger, sinkende Kosten je gespeicherter Kilowattstunde über die gesamte Lebensdauer, weil sich der Anschaffungspreis auf mehr Durchsatz verteilt.

Der zweite Effekt ist größer als der erste. Wer den Durchsatz von 250 auf 350 Vollzyklen im Jahr hebt, senkt die Kosten je gespeicherter Kilowattstunde um rund ein Viertel – genau das entscheidet nach der Rechnung unter Speicherkosten über das Vorzeichen.

Was dafür nötig ist

  • Ein intelligentes Messsystem. Für dynamische Tarife ist es Voraussetzung; seit 2025 haben Sie einen Anspruch auf den Einbau, siehe Smart Meter.
  • Ein Speicher, der von außen steuerbar ist. Nicht jedes Gerät lässt sich gegen den eigenen Algorithmus zum Laden aus dem Netz überreden. Fragen Sie nach einer offenen Schnittstelle, nicht nach einer App.
  • Eine Steuerung, die Preise und Prognose zusammenbringt. Sie muss wissen, wie viel Sonne morgen kommt – sonst lädt sie nachts voll und blockiert mittags den eigenen Ertrag. Dieser Fehler kostet mehr, als die Preisspanne einbringt.
  • Ein Tarif ohne Wechselhürden. Prüfen Sie Grundpreis, Mindestlaufzeit und ob die Abrechnung stündlich erfolgt.

Beachten Sie außerdem § 14a EnWG: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen – dazu zählt ein aus dem Netz ladender Speicher – können vom Netzbetreiber in der Leistung begrenzt werden, im Gegenzug für reduzierte Netzentgelte. Die Einzelheiten stehen unter § 14a EnWG.

Geht ein dynamischer Tarif ohne Smart Meter?

Nein. Ein dynamischer Tarif rechnet viertelstündlich ab, und dafür muss jemand viertelstündlich messen und die Werte übertragen. Das kann nur ein intelligentes Messsystem. Ohne eines bekommen Sie den Tarif nicht – kein Anbieter kann ihn Ihnen abrechnen, selbst wenn er wollte.

Dahinter steckt die Verwechslung, die in diesem Thema am häufigsten vorkommt: Ein digitaler Zähler ist noch kein Smart Meter. Was seit Jahren beim Zählertausch eingebaut wird, ist meist eine moderne Messeinrichtung – ein digitales Display ohne Kommunikationsanbindung. Sie zeigt an, sendet aber nichts. Erst die Kombination aus Zähler und Smart-Meter-Gateway ist ein intelligentes Messsystem, und erst daran hängen dynamische Tarife. Der Unterschied steht ausführlich unter Smart Meter: Pflicht, Kosten und was er bringt.

Was Sie tun können, wenn Sie noch keines haben: Seit 2025 können Sie den Einbau bei Ihrem Messstellenbetreiber verlangen, auch wenn Sie keine der Pflichtgruppen erfüllen. Wer mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht oder eine Anlage ab 7 Kilowatt betreibt, bekommt ohnehin eines.

Ich habe einen digitalen Zähler – reicht der?

Nur wenn ein Gateway dabei ist. Sehen Sie auf dem Zählerschrank nach: Ein intelligentes Messsystem hat neben dem Zähler ein zweites Gerät, das Smart-Meter-Gateway. Steht dort nur der Zähler mit Display, ist es eine moderne Messeinrichtung und reicht nicht.

Lohnt sich ein Smart Meter auch ohne dynamischen Tarif?

Für sich genommen selten – er kostet jährlich Messstellenentgelt und bringt ohne passenden Tarif keine Ersparnis. Er ist aber Voraussetzung für mehrere Dinge auf einmal: dynamische Tarife, die reduzierten Netzentgelte nach § 14a EnWG und den Wegfall der 60-Prozent-Begrenzung bei neuen Anlagen. Wer ohnehin eines bekommt, sollte die Tariffrage gleich mitprüfen.

Kann ein Speicher ohne Smart Meter nach Preis laden?

Er kann nach einer Prognose laden, aber nicht nach Ihrem tatsächlichen Abrechnungspreis. Ohne viertelstündliche Messung zahlen Sie den festen Arbeitspreis – unabhängig davon, wann der Speicher lädt. Der Vorteil entsteht erst mit dem Tarif, nicht mit der Steuerung.

Wann sich die Sache nicht lohnt

  • Wenn der Speicher ohnehin jeden Tag voll wird – dann fehlt die freie Kapazität für den Handel, und das Laden aus dem Netz verdrängt eigenen Solarstrom.
  • Wenn die Preisspanne im Sommer zusammenfällt. In Monaten mit viel Solareinspeisung sind die Mittagspreise niedrig und die Abendpreise moderat.
  • Wenn der Speicher klein ist. Unter 5 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität lohnt der Aufwand der Steuerung nicht.
  • Wenn die Zyklen knapp werden. Bei einem NMC-Speicher mit 4.000 Zyklen kann zusätzlicher Durchsatz die Lebensdauer verkürzen, siehe Batterietypen.

Häufige Fragen

Ist das erlaubt?

Ja. Strom aus dem Netz zu beziehen, zu speichern und selbst zu verbrauchen, ist zulässig. Wer gespeicherten Netzstrom wieder einspeisen und vergütet bekommen will, bewegt sich in einem anderen Regelwerk – für den Eigenverbrauch stellt sich die Frage nicht.

Brauche ich dafür einen zweiten Zähler?

Nein, ein intelligentes Messsystem genügt. Ein zweiter Zähler wird nur relevant, wenn Sie gespeicherten Netzstrom einspeisen wollen.

Rechnet sich ein Speicher allein für den Handel?

Nein. Ohne Photovoltaik im Rücken bleibt die Spanne zu klein, um die Anschaffung zu tragen – das zeigt die Rechnung unter Speicherkosten deutlich.

Mehr zum Speicher

Quellen

  • Börsenpreise: EPEX Spot Day-Ahead, Auswertung der Tagesspannen 2025 und 2026
  • § 41a EnWG – Pflicht zum Angebot dynamischer Tarife seit 1. Januar 2025
  • § 14a EnWG – steuerbare Verbrauchseinrichtungen

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