Wie groß sollte die Photovoltaikanlage sein?
Zwei Grenzen entscheiden: die Dachfläche und der Verbrauch. Warum die alte Faustregel zu knapp ist und wo die wirtschaftliche Obergrenze wirklich liegt.
Die Frage nach der Anlagengröße wird fast immer mit einer Faustregel beantwortet, die aus einer Zeit mit hoher Vergütung und teuren Modulen stammt. Heute gilt sie nicht mehr – und die richtige Antwort ist meist: größer als gedacht.
Rechnen Sie es für Ihr Dach durch
–
Gerechnet mit 35 Cent Bezugspreis, 7,70 Cent Einspeisevergütung, 1,5 Prozent Betriebskosten und 5 Quadratmetern Dachfläche je Kilowatt peak.

Die zwei Grenzen
Die Dachfläche. Rechnen Sie mit rund fünf Quadratmetern belegbarer Fläche je Kilowatt peak – das schließt Abstände zu Rändern, Gauben und Kaminen ein. Ein Dach mit 40 Quadratmetern trägt damit etwa 8 Kilowatt peak.
Der Verbrauch. Hier liegt der Denkfehler der alten Faustregel „ein Kilowatt peak je 1.000 Kilowattstunden Verbrauch“. Sie unterstellt, dass sich nur Strom lohnt, den man selbst verbraucht. Rechnen Sie nach: Ein zusätzliches Kilowatt peak kostet rund 1.300 Euro und liefert 1.010 Kilowattstunden im Jahr. Selbst wenn davon alles eingespeist wird, bringt es bei 7,70 Cent rund 78 Euro im Jahr, abzüglich Betriebskosten gut 58 Euro – über 20 Jahre also etwa 1.170 Euro. Das trägt sich gerade eben.
Daraus folgt die sinnvolle Obergrenze: etwa das Doppelte des Jahresverbrauchs an Ertrag. Bei 4.500 Kilowattstunden sind das rund 9 Kilowatt peak. Und weil die meisten Dächer weniger tragen, ist in der Praxis das Dach die Grenze, nicht der Verbrauch.
Gerüst, Anfahrt, Planung, Anmeldung und Zählerarbeiten fallen unabhängig von der Anlagengröße an. Je mehr Kilowatt peak sich diese Fixkosten teilen, desto günstiger wird jedes einzelne – von rund 1.775 Euro je Kilowatt peak bei 3 kWp auf 1.130 bei 25 kWp. Das Diagramm unten zeigt die Spannen.
Was die Größe später noch beeinflusst
- Wärmepumpe. Rechnen Sie 2 bis 3 Kilowatt peak zusätzlich ein. Mehr bringt wenig, weil der Mehrertrag im Sommer anfällt und der Wärmebedarf im Winter – siehe Heizen mit Photovoltaik.
- Elektroauto. Ein bis zwei Kilowatt peak, wenn tagsüber geladen wird, sonst weniger. Wer abends lädt, braucht eher einen Speicher.
- Die 30-Kilowatt-Grenze. Bis 30 Kilowatt peak sind die Einnahmen einkommensteuerfrei und die Anmeldung einfach. Für Einfamilienhäuser ist das keine praktische Beschränkung – siehe Steuer.
- Spätere Erweiterung. Sie kostet je Kilowatt peak deutlich mehr als der Bau in einem Zug, weil Gerüst und Anfahrt erneut anfallen – siehe Anlage erweitern.
Häufige Fragen
Ist eine zu große Anlage ein Problem?
Wirtschaftlich kaum – jedes zusätzliche Kilowatt trägt sich ungefähr selbst. Technisch kann sie eines werden, wenn der Netzbetreiber die Einspeisung begrenzt. Seit Februar 2025 dürfen neue Anlagen ohne intelligentes Messsystem nur 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen, siehe Smart Meter.
Wie viele Module passen auf mein Dach?
Teilen Sie die belegbare Fläche durch zwei Quadratmeter – so groß ist ein übliches Modul. 40 Quadratmeter tragen damit rund 18 Module zu je 440 Watt peak, zusammen knapp 8 Kilowatt peak.
Soll ich das Dach voll belegen?
Wenn der Verbrauch es trägt: ja. Die zweite Dachhälfte später nachzurüsten kostet mehr, als sie jetzt mitzubauen.
Was ist mit dem Nordteil des Daches?
Ein Norddach erreicht rund die Hälfte des Ertrags eines Süddachs. Das trägt sich bei heutigen Modulpreisen meist nicht mehr – Ost und West mit rund 80 Prozent dagegen schon, siehe Ertrag berechnen.
Mehr zu Planung und Kauf
- Planung – was vor dem ersten Angebot zu klären ist
- Fachbetrieb finden – woran Sie einen guten Betrieb erkennen
- Angebot prüfen – die Posten, die drinstehen müssen
- Vertrag und Abnahme – Zahlungsplan, Fristen, Gewährleistung
- Der Ablauf – wie lange jeder Schritt dauert
- Finanzierung – Kredit, Eigenkapital, Pacht
- Förderung – was es 2026 noch gibt
- Gutachten – wann sich ein unabhängiger Blick lohnt
Quellen
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026 – Ertragsmatrix und Stromgestehungskosten
- Preisspannen: eigene Auswertung von Angeboten, Stand September 2026
- Rechenmodell offengelegt unter Wie wir rechnen