PV-Überschuss steuern 2026: Lesekopf, Shelly und evcc
PV-Überschuss automatisch ins E-Auto, den Heizstab oder Speicher lenken: IR-Lesekopf, Shelly Pro 3EM und evcc im Vergleich, mit Kosten und Rechnung.
Um PV-Überschuss zu steuern, brauchen Sie zwei Dinge: einen Messwert, der laufend zeigt, ob gerade Strom ins Netz fließt, und eine Steuerung, die daraufhin Wallbox, Heizstab oder Speicher zuschaltet. Messen geht am günstigsten mit einem IR-Lesekopf am Stromzähler ab etwa 15 Euro, den Sie selbst anbringen dürfen, oder mit einem Energiezähler wie dem Shelly Pro 3EM im Verteiler, den eine Elektrofachkraft einbaut. Steuern lässt sich mit der kostenlosen Open-Source-Software evcc, mit Home Assistant oder mit der App des Wechselrichterherstellers. In unserem Rechenbeispiel – 10 kWp, Elektroauto, Heizstab – bringt das rund 340 Euro im Jahr; Messen und Steuern kosten 15 bis 680 Euro und sind dort nach höchstens 2,0 Jahren bezahlt.
Was braucht man, um PV-Überschuss automatisch zu nutzen?
Jede Überschusssteuerung besteht aus drei Teilen, egal welcher Hersteller draufsteht:
- Messen: Ein Messwert am Netzanschlusspunkt zeigt laufend, ob das Haus gerade Strom bezieht oder einspeist – und wie viel. Mehr braucht die Regelung nicht; die Erzeugung der Anlage selbst muss sie nicht kennen.
- Entscheiden: Eine Software vergleicht den Messwert mit Regeln: „Speist das Haus mehr als 1,4 kW ein, Auto laden.“ Das ist evcc, Home Assistant oder das Energiemanagement des Herstellers.
- Schalten: Geräte, die sich regeln lassen, nehmen den Befehl an – eine Wallbox mit Schnittstelle, ein Heizstab mit Leistungsregler, ein Speicher mit offener Schnittstelle.
Eine gewöhnliche Wallbox lädt mit voller Leistung, sobald das Auto angesteckt ist – auch wenn die Sonne gerade nur einen Teil davon liefert. Ein Heizstab ohne Regelung heizt mit Netzstrom. Erst die Steuerung sorgt dafür, dass Überschuss ankommt und nicht Netzstrom zum vollen Preis.
Messen: IR-Lesekopf, Shelly Pro 3EM oder Zähler des Herstellers?
Für den Messwert gibt es vier Wege. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wer sie anbringen darf und was schon im Haus ist. Bevor Sie etwas kaufen: Wer einen Batteriespeicher hat, hat meist schon einen Energiezähler im Verteiler, den die Steuerung mitlesen kann.
| IR-Lesekopf am Zähler | Shelly Pro 3EM im Verteiler | Intelligentes Messsystem (HAN) | Energiezähler des Herstellers | |
|---|---|---|---|---|
| Wo | außen auf der optischen Schnittstelle des Zählers | auf der Hutschiene, Stromwandler um die Phasen | Smart-Meter-Gateway des Messstellenbetreibers | im Verteiler, per Modbus am Wechselrichter oder Speicher |
| Wer bringt es an | Sie selbst – Magnet, kein Eingriff in die Anlage | Elektrofachkraft | Messstellenbetreiber | Elektrofachkraft |
| Voraussetzung | moderne Messeinrichtung, PIN vom Messstellenbetreiber, WLAN am Zählerschrank | Platz im Verteiler, Netzwerk | iMSys eingebaut, Zugang zur HAN-Schnittstelle | passendes System des Herstellers |
| Preis | 15 bis 40 € | 80 bis 160 € plus Einbau | Entgelt des Messstellenbetreibers, gesetzlich gedeckelt | meist Teil des Speicher- oder Wechselrichterangebots |
| Stärke | billig, ohne Elektriker | misst jede Phase einzeln, lokal, schnell | amtlicher Messwert | passt ohne Bastelei zum Hersteller-System |
| Grenze | ohne PIN keine Leistungswerte; WLAN im Zählerschrank oft schwach | kostet den Einbau; ersetzt nicht den Abrechnungszähler | Zugang zu Live-Werten je nach Betreiber noch mühsam | oft nur mit der App desselben Herstellers voll nutzbar |
Für die meisten Haushalte mit älterer Anlage ohne Speicher ist der Lesekopf der schnellste Einstieg. Wer ohnehin einen Elektriker im Haus hat – für die Wallbox oder den Heizstab –, lässt den Shelly Pro 3EM im selben Termin setzen. Dann fällt keine eigene Anfahrt an, und der Messwert hängt nicht am WLAN-Empfang im Zählerschrank.
Shelly Pro 3EM: was er misst, wer ihn einbaut, wo seine Grenzen sind
Der Shelly Pro 3EM ist ein dreiphasiger Energiezähler für die Hutschiene. Drei Stromwandler werden um die Außenleiter gelegt, dazu kommt der Spannungsabgriff. Nach Herstellerangabe misst er je Phase bis 120 Ampere mit ±1 Prozent Genauigkeit zwischen 2 und 120 Ampere, in beide Richtungen (Vierquadrantenmessung), und hält mindestens 45 Tage Minutenwerte vor. Er spricht LAN, WLAN und Bluetooth und gibt seine Werte lokal über HTTP, MQTT und WebSocket aus – eine Cloud braucht die Steuerung nicht.
Wo er sitzen muss
Damit die Steuerung Überschuss erkennt, muss der Shelly den gesamten Stromfluss des Hauses sehen: die Wandler direkt hinter dem Zähler, vor dem Abzweig zu Verbrauchern und vor dem Anschluss der Solaranlage. Sitzt er an der falschen Stelle, misst er nur einen Teil – und die Steuerung regelt zuverlässig falsch. Diese Frage gehört deshalb zum Einbau, nicht zur Einrichtung der App.
Wer ihn einbauen darf
Der Einbau ist eine Änderung der elektrischen Anlage im Verteiler. Arbeiten an der Anlage hinter der Hausanschlusssicherung darf nach § 13 Abs. 2 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) außer dem Netzbetreiber nur ein Installationsunternehmen ausführen, das in das Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Dazu kommen die Errichtungsnormen der Reihe DIN VDE 0100. Kurz: Den Shelly Pro 3EM setzt ein eingetragener Elektroinstallationsbetrieb, nicht der Hausherr.
Was er nicht kann
- Er ersetzt nicht den Zähler des Messstellenbetreibers. Abgerechnet wird weiter dort.
- Er schaltet selbst nichts Großes. Die Entscheidung trifft die Steuerung, geschaltet wird an Wallbox, Heizstab-Regler oder Speicher.
- Der ältere Shelly 3EM misst ebenfalls dreiphasig, hat aber keine LAN-Buchse. Im Blechverteiler ist ein Kabel verlässlicher als WLAN.
IR-Lesekopf am Stromzähler: PIN, SML und Tasmota
Moderne Messeinrichtungen – die digitalen Zähler, die beim Zählertausch seit Jahren eingebaut werden – haben vorn eine optische Schnittstelle. Ein Lesekopf wird mit einem Magneten davorgesetzt, liest die Infrarotsignale und schickt sie per WLAN weiter. Verbreitet sind Leseköpfe mit vorinstallierter Open-Source-Firmware Tasmota; sie verstehen das Zählerprotokoll SML und Textformate nach OBIS. Weil der Lesekopf nur außen aufliegt und nichts geöffnet wird, dürfen Sie ihn selbst anbringen. Zähler und Abdeckungen gehören dem Messstellenbetreiber: Plomben bleiben unberührt. Ist die Schnittstelle nur nach Abnehmen einer Abdeckung im Zählerschrank erreichbar, lassen Sie den Lesekopf vom Elektroinstallateur setzen.
Der häufigste Fehler: die fehlende PIN
Ab Werk senden viele Zähler nur die Zählerstände, nicht die aktuelle Leistung. Genau die braucht aber die Steuerung. Freigeschaltet wird sie mit einer vierstelligen PIN, die Sie beim Messstellenbetreiber anfordern – meist ist das Ihr örtlicher Netzbetreiber, nicht Ihr Stromlieferant. Die PIN geben Sie mit einer Taschenlampe über den Lichtsensor des Zählers ein. Danach muss bei vielen Geräten noch die erweiterte Datenausgabe eingeschaltet werden („Inf on“). Zeigt der Lesekopf nach der Einrichtung keine Leistung, liegt es fast immer an diesem Schritt.
- PIN beim Messstellenbetreiber anfordern (Zählernummer bereithalten; der Betreiber steht auf der Stromrechnung unter „Messstellenbetrieb“).
- PIN mit der Taschenlampe eingeben, erweiterte Anzeige einschalten („Inf on“), dabei die Anleitung des Zählerherstellers nutzen.
- Lesekopf mittig auf die optische Schnittstelle setzen, mit dem WLAN verbinden.
- In der Tasmota-Oberfläche das Skript für Ihr Zählermodell einfügen – die Tasmota-Dokumentation führt Skripte für viele Modelle – und aktivieren.
- Prüfen: Zeigt der Lesekopf bei Sonne Einspeisung an (meist als negative Leistung), stimmt die Richtung.
Zählerschränke aus Metall schirmen WLAN ab. Abhilfe: Repeater in der Nähe oder ein Lesekopf mit externer Antenne. Und: Firmware nicht blind aktualisieren – nicht jede Tasmota-Ausgabe enthält die Zählerfunktion.
Lesekopf oder intelligentes Messsystem?
Der Lesekopf liest eine moderne Messeinrichtung aus – einen digitalen Zähler ohne Kommunikationsanbindung. Das intelligente Messsystem ist dieser Zähler plus Smart-Meter-Gateway; es überträgt Werte an den Messstellenbetreiber und ist Voraussetzung für dynamische Tarife und die Steuerung nach § 14a EnWG. Für den Haushalt bietet das Gateway eine eigene Schnittstelle (HAN). Wie bequem man darüber an Live-Werte kommt, hängt bislang stark vom Messstellenbetreiber ab. Für die Überschusssteuerung ersetzt das Gateway den Lesekopf deshalb heute selten. Pflicht, Kosten und Nutzen des Gateways: Smart Meter.
Steuern: evcc, Home Assistant oder die App des Herstellers
evcc: Open Source, für Überschussladen gebaut
evcc ist eine quelloffene Software unter MIT-Lizenz, die Wallboxen, Energiezähler, Wechselrichter, Hausspeicher, Wärmepumpen und Heizstäbe zusammenbringt – lokal, ohne Cloud. Sie läuft auf einem Kleinrechner wie dem Raspberry Pi oder in Docker auf einem vorhandenen Heimserver. Im Modus „Smart“ lädt sie das Auto mit Überschuss und passt den Ladestrom laufend an.
Kostenlos – mit einer Ausnahme: Für viele kommerzielle Wallboxen verlangt evcc einen Sponsortoken: 4 US-Dollar im Monat über GitHub Sponsors, 50 Euro im Jahr oder 150 Euro einmalig. Offene Hardware und einfache schaltbare Steckdosen laufen ohne. Ob Ihre Wallbox betroffen ist, steht in der Geräteliste der Dokumentation – prüfen Sie das vor dem Kauf.
Home Assistant: wenn mehr gesteuert werden soll als Energie
Home Assistant ist eine ebenfalls quelloffene Hausautomation. Shelly und Tasmota lassen sich direkt einbinden, das Energie-Dashboard zeigt Bezug, Einspeisung und Verbrauch. Für Überschussregeln schreiben Sie eigene Automationen – flexibler als evcc, aber mehr Arbeit und mehr Fehlerquellen.
Die App des Herstellers: bequem, aber begrenzt
Wechselrichter- und Speicherhersteller bieten eigene Energiemanager mit eigenem Zähler. Das funktioniert ohne Bastelei, wenn Wallbox und Heizstab vom selben Hersteller kommen oder zertifiziert angebunden sind. Fremdgeräte werden oft gar nicht oder nur schaltend unterstützt.
| evcc | Home Assistant | Hersteller-App | |
|---|---|---|---|
| Kosten | frei; Sponsortoken bis 150 € für manche Wallboxen | frei | meist im System enthalten |
| Überschussladen | Kernfunktion, Phasenumschaltung | über eigene Automationen | je nach Hersteller |
| Heizstab, Wärmepumpe | ja, als Heizungs-Ladepunkt | ja, über Automationen | oft nur eigene Geräte |
| Aufwand | mittel: einrichten nach Anleitung | hoch | gering |
| Läuft lokal | ja | ja | teils nur über die Cloud |
Wer Hoymiles-Mikrowechselrichter betreibt und deren Erzeugung ohne Hersteller-Cloud in evcc oder Home Assistant sehen will, liest sie mit OpenDTU aus. Für die Regelung selbst genügt aber der Messwert am Netzanschluss.
PV-Überschussladen: was die Steuerung an der Wallbox macht
Beim PV-Überschussladen bekommt die Wallbox nicht mehr „voll“ oder „aus“, sondern einen Ladestrom, der dem Überschuss folgt. Die Grenze nach unten setzt die Ladenorm IEC 61851: Unter 6 Ampere lädt kein Auto. Daraus folgen zwei Schwellen:
| Laden | kleinster Strom | kleinste Leistung | größte Leistung (11-kW-Wallbox) |
|---|---|---|---|
| einphasig | 6 A | 1,4 kW | 3,7 kW (16 A) |
| dreiphasig | 3 × 6 A | 4,1 kW | 11 kW (3 × 16 A) |
Liefert die Anlage weniger als 4,1 kW Überschuss, kann eine dreiphasig ladende Wallbox gar nicht mit Sonne laden – sie wartet oder zieht den Rest aus dem Netz. Bei einer 10-kWp-Anlage ist das an trüben Tagen und in den Randstunden der Normalfall. Wallboxen mit Phasenumschaltung wechseln dann auf eine Phase und laden schon ab 1,4 kW. Das ist die wichtigste Frage beim Wallbox-Kauf für Überschussladen, wichtiger als 11 oder 22 kW. Manche Autos laden ohnehin nur einphasig.
Eine Wallbox über 4,2 kW, die seit 2024 angeschlossen wird, gilt als steuerbare Verbrauchseinrichtung. Der Netzbetreiber darf ihren Bezug bei drohender Netzüberlastung vorübergehend drosseln, nicht unter 4,2 kW; dafür sinkt das Netzentgelt. Die Überschusssteuerung bleibt davon unberührt – sie regelt den eigenen Solarstrom, der Netzbetreiber nur den Bezug aus dem Netz. Module und Anmeldung: § 14a EnWG.
Welche Wallbox regelbar ist, was sie kostet und wann sie angemeldet oder genehmigt werden muss, steht unter Wallbox und Photovoltaik. Kommt die Wallbox neu, gehören Steuerung und Messung ins selbe Angebot: Angebote für Wallbox und Einbau anfragen. Sie sehen vor dem Absenden, welche Betriebe Ihre Anfrage erhalten.
Heizstab, Speicher, Auto: in welcher Reihenfolge der Überschuss verteilt wird
Sobald mehr als ein Abnehmer da ist, braucht die Steuerung eine Reihenfolge. Der Maßstab ist einfach: Was ersetzt die teuerste Energie? Eine Kilowattstunde, die im Haus, im Speicher oder im Auto landet, ersetzt Netzstrom für 35 Cent. Eine Kilowattstunde im Heizstab ersetzt Gas samt Kesselverlust für rund 15 Cent. Eine eingespeiste bringt 7,70 Cent.
- Haushalt zuerst. Was gerade läuft, nimmt sich den Strom ohnehin – ohne Steuerung.
- Speicher oder Auto? Beide ersetzen Netzstrom. Der Speicher verliert rund 10 Prozent, das Auto nicht. Sinnvoll ist deshalb: Speicher vormittags so weit laden, dass er den Abend trägt, dann das Auto. In evcc legen Sie fest, bis zu welchem Ladestand die Hausbatterie Vorrang hat; darüber geht der Überschuss ans Auto. Mehr zum Speicher: PV-Anlage mit Speicher.
- Heizstab danach. Er nimmt, was übrig bleibt, und braucht dafür eine stufenlose Regelung, damit er nicht mit Netzstrom heizt. Welcher Heizstab und welche Regelung passen: PV-Heizstab.
- Einspeisung zuletzt. Der Rest geht ins Netz – im Sommer immer noch der größte Teil.
Mit einem dynamischen Stromtarif kommt eine zweite Logik dazu: Auto und Speicher laden dann auch nachts, wenn der Börsenpreis tief ist. Das setzt ein intelligentes Messsystem voraus, siehe Speicher und dynamischer Stromtarif.
Rechenbeispiel: 10 kWp, E-Auto mit 12.000 km und Heizstab
Eine 10-kWp-Anlage erzeugt in unserem Modell rund 9.800 kWh im Jahr. Ein Haushalt mit 4.500 kWh Verbrauch nutzt davon ohne Speicher rund 1.490 kWh direkt. Übrig bleiben rund 8.310 kWh Überschuss. Dazu kommen ein Elektroauto mit 12.000 km im Jahr (18 kWh je 100 km inklusive Ladeverlust, also rund 2.160 kWh) und ein Warmwasserspeicher mit 2.900 kWh Wärmebedarf, bisher mit Gas beheizt.
Zuerst ein einzelner Tag, an dem man den Unterschied sieht: Juli, klarer Himmel, das Auto wird um neun Uhr angesteckt und braucht 15 kWh.
Das Jahr: wohin der Überschuss geht
Über das Jahr entscheidet vor allem, wann das Auto zu Hause steht. Wir rechnen zwei Haushalte: einen, in dem das Auto tagsüber oft zu Hause steht (Homeoffice, Teilzeit, Zweitwagen), und einen Pendlerhaushalt. Die Solaranteile mit Steuerung – 60 und 25 Prozent – sind die Mitten der Spannen auf unserer Wallbox-Seite. Ohne Steuerung setzen wir 20 und 5 Prozent an: Die Wallbox lädt dann sofort mit voller Leistung, und nur der Teil, der zufällig in eine sonnige Stunde fällt, ist Solarstrom.
| Auto zu Hause: ohne | Auto zu Hause: mit Steuerung | Pendler: ohne | Pendler: mit Steuerung | |
|---|---|---|---|---|
| Solarstrom ins Auto | 430 kWh | 1.300 kWh | 110 kWh | 540 kWh |
| Solarstrom in den Heizstab | 0 kWh | 1.450 kWh | 0 kWh | 1.560 kWh |
| eingespeist | 7.880 kWh | 5.560 kWh | 8.200 kWh | 6.210 kWh |
| Ersparnis Auto/Jahr | – | 240 € | – | 120 € |
| Ersparnis Heizstab/Jahr | – | 110 € | – | 110 € |
| zusammen | – | 340 € | – | 230 € |
Das Ergebnis ist eindeutig: Das Geld steckt im Auto. Jede Kilowattstunde, die statt aus dem Netz aus dem Überschuss kommt, spart 27,3 Cent. Der Heizstab bringt im Gas-Haushalt nur 7,3 Cent je Kilowattstunde und damit rund 110 Euro im Jahr – eine Heizstab-Nachrüstung für 850 bis 2.000 Euro trägt sich davon erst nach vielen Jahren (die ausführliche Rechnung steht unter Heizstab für PV-Überschuss). Anders, wenn das Warmwasser heute elektrisch erzeugt wird: Dann spart derselbe Heizstab rund 390 Euro im Jahr.
Was Messen und Steuern kostet – und wann es bezahlt ist
| Variante | einmalig | bezahlt nach (Auto zu Hause) | bezahlt nach (Pendler) |
|---|---|---|---|
| Lesekopf, Rechner vorhanden | 15 bis 190 € | 0,0 bis 0,6 Jahren | 0,1 bis 0,8 Jahren |
| Lesekopf + Kleinrechner | 135 bis 310 € | 0,4 bis 0,9 Jahren | 0,6 bis 1,3 Jahren |
| Shelly Pro 3EM + Einbau | 180 bis 680 € | 0,5 bis 2,0 Jahren | 0,8 bis 2,9 Jahren |
Was die Rechnung verschiebt
- Der Strompreis. Bei 30 statt 35 Cent spart die Steuerung im Leitfall rund 300 statt 340 Euro im Jahr.
- Die Anwesenheit des Autos. Sie wirkt am stärksten: Der Pendlerhaushalt spart rund 230 Euro, die Technik ist dort nach bis zu 2,9 Jahren bezahlt.
- Ein Speicher. Er nimmt einen Teil des Überschusses vorweg. Für das Auto bleibt dann weniger – die Steuerung lohnt trotzdem, weil sie den Speicher vor dem Auto füllen kann.
- Das Förderende. Nach 20 Jahren bringt die Einspeisung nur noch den Marktwert. Dazu der nächste Abschnitt.
Sonderfall Ü20: Nach dem Förderende lohnt Steuern mehr
Endet die EEG-Vergütung, bekommt eine eingespeiste Kilowattstunde nur noch den Jahresmarktwert Solar abzüglich einer Vermarktungspauschale – für 2025 rund 3,8 Cent. Mit intelligentem Messsystem halbiert sich der Abzug. Jede Kilowattstunde, die die Steuerung ins Auto oder in den Heizstab lenkt, ist dann noch mehr wert. Im Rechenbeispiel steigt die Ersparnis von rund 340 auf rund 430 Euro im Jahr; der Heizstab bringt im Gas-Haushalt dann 11,2 statt 7,3 Cent je Kilowattstunde.
Für alte Anlagen ist eine Überschusssteuerung deshalb oft der günstigste erste Schritt – noch vor einem Speicher. Steht noch ein Ferraris-Zähler mit Drehscheibe im Schrank, fehlt die optische Schnittstelle; dann bleibt nur der Energiezähler im Verteiler oder der Zählertausch. Was nach 20 Jahren sonst zu entscheiden ist: Förderende nach 20 Jahren und Repowering.
Was Sie selbst machen dürfen – und was die Elektrofachkraft
| Arbeit | wer |
|---|---|
| IR-Lesekopf anbringen, PIN eingeben, WLAN einrichten | Sie selbst |
| evcc oder Home Assistant installieren und einrichten | Sie selbst |
| Shelly Pro 3EM oder Herstellerzähler im Verteiler setzen | eingetragener Elektroinstallationsbetrieb (§ 13 Abs. 2 NAV) |
| Wallbox anschließen und beim Netzbetreiber anmelden | eingetragener Elektroinstallationsbetrieb (§ 13 Abs. 2, § 19 Abs. 2 NAV) |
| Heizstab-Regler fest anschließen, eigener Stromkreis | eingetragener Elektroinstallationsbetrieb |
| Heizstab-Regler mit Schutzkontaktstecker einstecken | Sie selbst – Steckdose und Leitung vorher prüfen lassen |
| Heizstab in den Speicher einbauen | Heizungs- oder Sanitärbetrieb |
| Zähler tauschen, intelligentes Messsystem | Messstellenbetreiber |
Auch mit ausgeschalteter Sicherung kann im Zählerschrank Spannung anliegen – vor dem Zähler lässt sich nichts abschalten. Stromwandler setzt nur ein Elektroinstallationsbetrieb, der beim Netzbetreiber eingetragen ist.
Wenn Sie Wallbox, Heizstab oder Energiezähler einbauen lassen wollen: Angebote von Fachbetrieben aus Ihrer Region anfragen – kostenlos. Sie sehen vor dem Absenden, welche Betriebe Ihre Anfrage erhalten.
Häufige Fragen zur Überschusssteuerung
Brauche ich für PV-Überschussladen ein Smart Meter?
Sie brauchen einen Messwert am Netzanschluss, kein intelligentes Messsystem des Messstellenbetreibers. Ein IR-Lesekopf am vorhandenen digitalen Zähler oder ein Energiezähler wie der Shelly Pro 3EM im Verteiler reicht. Viele nennen beides „Smart Meter“ – das Messstellenbetriebsgesetz kennt nur das „intelligente Messsystem“, also Zähler mit Gateway.
Darf ich einen IR-Lesekopf selbst anbringen?
Ja. Er wird mit einem Magneten außen auf die optische Schnittstelle gesetzt, nichts wird geöffnet oder verdrahtet. Für die aktuelle Leistung brauchen Sie meist eine PIN vom Messstellenbetreiber.
Darf ich den Shelly Pro 3EM selbst einbauen?
Nein. Er sitzt im Verteiler und greift in die elektrische Anlage ein. Diese Arbeiten darf nach § 13 Abs. 2 NAV nur ein beim Netzbetreiber eingetragener Installationsbetrieb ausführen.
Ist evcc wirklich kostenlos?
Die Software ist quelloffen und kostenlos. Für viele kommerzielle Wallboxen verlangt das Projekt einen Sponsortoken – 4 US-Dollar im Monat, 50 Euro im Jahr oder 150 Euro einmalig. Offene Hardware und schaltbare Steckdosen laufen ohne.
Ab wie viel Überschuss lädt das Auto mit Sonnenstrom?
Einphasig ab 1,4 kW, dreiphasig ab 4,1 kW. Das folgt aus dem Mindeststrom von 6 Ampere nach IEC 61851. Wallboxen mit Phasenumschaltung nutzen beide Bereiche.
Was bringt eine Überschusssteuerung im Jahr?
In unserem Beispiel mit 10 kWp, Elektroauto und Heizstab rund 340 Euro, wenn das Auto tagsüber oft zu Hause steht, und rund 230 Euro im Pendlerhaushalt. Den größten Teil bringt das Auto, nicht der Heizstab.
Funktioniert ein Lesekopf auch am alten Drehscheibenzähler?
Nein. Ferraris-Zähler haben keine Datenschnittstelle. Dann hilft nur ein Energiezähler im Verteiler oder der Tausch gegen eine moderne Messeinrichtung durch den Messstellenbetreiber.
Was hat § 14a EnWG mit der Überschusssteuerung zu tun?
Er betrifft Wallboxen, Wärmepumpen und Speicher über 4,2 kW: Der Netzbetreiber darf den Bezug aus dem Netz bei Engpässen drosseln, im Gegenzug sinkt das Netzentgelt. Ihren eigenen Solarstrom verteilt die Steuerung weiter frei.
Quellen
- evcc-Dokumentation: PV-Überschussladen – Mindeststrom 6 A nach IEC 61851, 1,4 und 4,1 kW, Phasenumschaltung; Lademodi; Sponsorship – Token-Preise; Quellcode und Lizenz (MIT), alle abgerufen 21.10.2026
- Shelly Knowledge Base: Shelly Pro 3EM – Messbereich, Genauigkeit, Schnittstellen, abgerufen 21.10.2026
- Tasmota: Smart Meter Interface – SML/OBIS, PIN beim Messstellenbetreiber, „Inf on“, abgerufen 21.10.2026
- heise: Günstiger IR-Lesekopf mit Tasmota, 28.04.2022 – Magnethalter, PIN, rund 30 €
- § 13 NAV – Arbeiten an der Anlage nur durch eingetragene Installationsunternehmen; § 19 NAV – Mitteilung zusätzlicher Verbrauchsgeräte an den Netzbetreiber
- § 53 Abs. 4 EEG – nach Förderende halbiert sich der Vermarktungsabzug bei intelligentem Messsystem
- Home Assistant – Open-Source-Hausautomation
- Marktpreise, Abruf 21.10.2026: Hichi-IR-Leseköpfe auf eBay.de 14,95 bis 29,95 €; Shelly Pro 3EM 120 A im Shelly-Shop 157,90 €, im Handel ab rund 77 €; Raspberry Pi 5 (4 GB) bei BerryBase 118,50 € laut billiger.de. Momentaufnahmen, keine repräsentative Erhebung
- Strompreis, Einspeisevergütung und Gaspreis: wie auf allen Seiten dieses Ratgebers, siehe Methodik; Marktwert nach Förderende wie auf Förderende; Fahrzeugverbrauch und Solaranteile wie auf Wallbox; Warmwasserbedarf wie auf Warmwasser mit Photovoltaik