Zum Inhalt springen
Kostenlose Beratung: 03381 2689168 Sie sind Fachbetrieb für Photovoltaik? Partner werden und Anfragen erhalten
Angebote vergleichen
Ratgeber · Anschließen

Balkonkraftwerk montieren: Halterung, Windlast, Untergrund

Welche Befestigung zu welchem Balkon passt, welche Windlasten auftreten und woran Sie eine Halterung erkennen, die hält.

Redaktion: René LindelaubStand 27. September 20266 Minuten LesezeitSo rechnen wir

Der elektrische Anschluss dauert eine Minute. Die Befestigung ist der Teil, bei dem etwas schiefgehen kann – und der einzige, für den Sie haften, wenn ein Modul vier Stockwerke tief fällt.

Vier Aufstellungen im Vergleich

Aufstellung: Ertrag und was davon im Haushalt bleibtSenkrecht an der Brüstung 549 kWh Ertrag und 401 kWh genutzt, leicht angestellt 690 und 469, schräg 784 und 510, flach 729 und 489 Kilowattstunden.Jahresertragdavon selbst genutzt549 kWh401 kWhsenkrechtan der Brüstung690 kWh469 kWhleicht angestellt784 kWh510 kWhschräg729 kWh489 kWhflachauf dem Dach oder Boden
Ertrag und selbst genutzter Anteil je Aufstellung. Die senkrechte Montage an der Brüstung verliert beim Jahresertrag deutlich, beim genutzten Strom kaum.
AufstellungErtragBefestigungGeeignet für
Senkrecht an der Brüstung549 kWhHaken über die Brüstung, zusätzlich gesichertMietbalkone, keine Bohrung nötig
Leicht angestellt, etwa 15°690 kWhBrüstungshalter mit AuslegerBalkone mit Platz nach außen
Schräg, 30 bis 35°784 kWhGestell auf dem Boden oder am GeländerDachterrasse, Garten, Flachdach
Flach auf dem Boden729 kWhBallast oder ErdankerGaragendach, Rasenfläche, Carport
Erträge für den Bezugsfall: 800 Watt, Süd, Mitte Deutschlands. Die Reihenfolge nach Ertrag ist nicht die Reihenfolge nach Ersparnis – siehe die Grafik darüber.

Windlast: die Zahl, die zählt

Ein Modul von 1,7 Quadratmetern erfährt bei Sturm eine Kraft von mehreren hundert Newton – in Böen kurzzeitig auch das Doppelte. Deshalb genügt es nicht, dass die Halterung das Gewicht trägt; sie muss die Sogkräfte aufnehmen, die von hinten gegen das Modul drücken.

  • Immer zusätzlich sichern. Zwei Edelstahlseile oder Spanngurte zum Geländer, unabhängig von der eigentlichen Halterung. Das ist der billigste Teil der Anlage und der, der im Ernstfall zählt.
  • Angestellte Module sind windempfindlicher als senkrechte. Je größer der Winkel, desto größer die Angriffsfläche von unten.
  • Ballast statt Bohren auf Flachdächern: 40 bis 80 Kilogramm je Modul, je nach Neigung und Gebäudehöhe. Prüfen Sie vorher die Traglast des Dachs.
  • Ab dem vierten Obergeschoss und in Küstennähe gelten höhere Windlastzonen. Fragen Sie den Hersteller nach der ausgewiesenen Zone der Halterung.
  • Nichts über öffentlichen Verkehrsflächen ohne Absturzsicherung – das ist kein Ertrags-, sondern ein Haftungsthema.
Der Fehler, der teuer wird

Die mitgelieferten Brüstungshaken vieler Sets sind für ein senkrecht hängendes Modul ausgelegt. Wer dasselbe Modul mit einem Ausleger anstellt, verändert die Hebelwirkung grundlegend – die Halterung ist dafür nicht geprüft. Angestellte Montage braucht eine Halterung, die ausdrücklich dafür vorgesehen ist.

Untergründe

  • Metallgeländer: unkritisch, Haken oder Klemmen, keine Bohrung.
  • Gemauerte Brüstung: Haken passen selten, meist braucht es Dübel – und damit die Zustimmung des Eigentümers, siehe Mieter und Eigentümer.
  • Glasbrüstung: nur mit Klemmsystemen, die für die Glasstärke freigegeben sind. Nie direkt klemmen ohne Zwischenlage.
  • Fassade: Dübel in tragfähigen Untergrund, Wärmedämmung braucht spezielle Abstandsmontage. Das ist die aufwendigste Variante.
  • Boden und Rasen: Erdanker oder Betonplatten. Am einfachsten, wenn Platz da ist – und ertragreich, weil die Neigung frei wählbar ist.

Welche Halterung zu welcher Aufstellung passt

Die Reihenfolge folgt der Tabelle oben: Je weiter unten, desto mehr Ertrag und desto mehr Windangriffsfläche. Was alle gemeinsam haben: Die Halterung muss zu Ihrem Modul passen – nicht nur zur Fläche, sondern zur Rahmenhöhe. Klemmen gibt es für 30, 35 und 40 Millimeter; eine Klemme für 30 hält ein 35er-Modul nicht.

Brüstungshaken, senkrechte Montage

Das Modul hängt außen an der Brüstung. Keine Bohrung, kein Eingriff in die Bausubstanz – die Variante für Mietbalkone.

Worauf es ankommt: Der Haken muss zur Brüstung passen, nicht umgekehrt. Bei Rundstäben braucht es Klemmbügel, bei Doppelstabmatten schmale Haken, bei Beton Winkel mit Dübeln. Gummieinlage zwischen Haken und Geländer: schützt den Lack und verhindert das Verrutschen. Bei Gitterstabgeländern ist der Kontakt schmal – dort verdreht sich eine zu kurze Halterung leicht.
Brüstungshalter mit Ausleger, etwa 15 Grad

Stellt das Modul leicht an. Bringt gegenüber der senkrechten Montage spürbar mehr Ertrag, ohne viel Platz zu brauchen.

Worauf es ankommt: Hier liegt der Fehler aus dem Kasten oben: Ein Haken für senkrechte Montage trägt keinen Ausleger. Die Hebelwirkung ist eine andere, und der Sog von unten kommt dazu. Verlangen Sie eine ausdrückliche Freigabe für angestellte Montage und eine Angabe zur Windlastzone.
Aufständerung 30 bis 35 Grad

Das freistehende Gestell für Dachterrasse, Garten oder Flachdach. Höchster Ertrag, weil die Neigung frei wählbar ist.

Worauf es ankommt: Ohne Ballast oder Erdanker ist es ein Segel. Rechnen Sie 40 bis 80 Kilogramm je Modul, je nach Neigung und Gebäudehöhe – und prüfen Sie vorher die Traglast des Untergrunds. Verstellbare Gestelle sind bequem, aber jede Verstellmöglichkeit ist auch eine Stelle, die sich lösen kann.
Ballastwanne oder Bodengestell, flach

Für Garagendach, Carport und Rasenfläche, wo nicht gebohrt werden darf.

Worauf es ankommt: Die Wanne muss den Ballast aufnehmen können, ohne sich zu verwinden. Bei Kies als Ballast auf die Körnung achten – zu feiner Kies rieselt mit der Zeit heraus. Auf Rasen kommt eine Unterlage darunter, sonst steht die Konstruktion nach einem nassen Winter schief.
Sicherungsseile oder Spanngurte

Zwei Edelstahlseile vom Modulrahmen zu einem festen Punkt, unabhängig von der Halterung.

Worauf es ankommt: Der billigste Teil der Anlage und der, der im Ernstfall zählt. Edelstahl, nicht verzinkt – verzinkte Seile rosten an der Schnittkante. Am Modulrahmen befestigen, nie am Glas oder an der Anschlussdose. Nach dem ersten Sturm nachsehen und nachziehen.

Wir nennen Bauarten und Auswahlkriterien, keine Marken und keine Preise. Was heute ein gutes Angebot ist, ist es in einem Jahr nicht mehr – die Kriterien gelten weiter. Fragen Sie nach dem statischen Nachweis, nach der angegebenen Windlastzone und nach der ausdrücklichen Freigabe für die Montageart, die Sie vorhaben. Wer darauf nichts vorlegen kann, hat es nicht gerechnet. Eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des DIBt gibt es für Dachmontagesysteme; für Balkonhalterungen ist sie nicht üblich – das Fehlen ist dort kein Mangel, das Fehlen der Windlastangabe schon.

Häufige Fragen

Brauche ich für die Montage einen Handwerker?

Nein. Die Befestigung dürfen Sie selbst ausführen. Verantwortlich für die Standsicherheit sind dann allerdings auch Sie.

Muss das Modul unterhalb der Brüstungsoberkante bleiben?

In vielen Gemeinden ja, teils aus gestalterischen Gründen, teils wegen der Absturzsicherung. In Erhaltungssatzungsgebieten und bei Denkmalschutz gelten zusätzliche Regeln.

Wie viel wiegt das Ganze?

Ein Glas-Folie-Modul rund 20 Kilogramm, Glas-Glas rund 25. Zwei Module mit Halterung liegen bei 50 bis 60 Kilogramm – für ein Geländer unproblematisch, für eine Markise nicht.

Kann ich die Module im Winter abnehmen?

Können ja, müssen nein. Schnee rutscht von senkrechten Modulen ohnehin ab, und der Winterertrag ist zwar klein, aber nicht null.

Mehr zum Balkonkraftwerk

Quellen

  • DIN EN 1991-1-4 – Windlasten auf Bauwerke, Windzonenkarte Deutschland
  • Herstellerangaben zu Halterungen und ausgewiesenen Windlastzonen
  • Rechenmodell: identisch mit dem Balkonkraftwerk-Rechner
Angebote vergleichen