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Ratgeber · Technik

Solarmodule: Typen, Wirkungsgrad und Auswahl

Modultypen im Vergleich: Wirkungsgrad, Fläche je kWp und Temperaturkoeffizient in einer Tabelle – und die drei Entscheidungen, die beim Modulkauf zählen.

Redaktion: René LindelaubStand 26. September 20268 Minuten LesezeitSo rechnen wir

Die Frage „monokristallin oder polykristallin?“ ist beantwortet: Über 95 Prozent der neu verbauten Module sind monokristallin, polykristalline gibt es neu nicht mehr zu kaufen. Was bleibt, sind drei Entscheidungen, die tatsächlich etwas ausmachen – und die in kaum einem Angebot erklärt werden.

Für Eilige
  • Der Typ ist entschieden. Für ein Hausdach kommt praktisch nur monokristallines Silizium infrage. Alles andere ist entweder nicht mehr lieferbar oder braucht zu viel Fläche.
  • Der Wirkungsgrad entscheidet über den Platzbedarf, nicht über die Qualität. Zwei Module mit 21 Prozent können sich in Haltbarkeit und Garantie deutlich unterscheiden.
  • Der Temperaturkoeffizient wird unterschätzt. Zwischen −0,29 und −0,35 Prozent je Grad liegen an einem Hochsommertag mehrere Prozent Leistung.
  • Die Garantie ist zweigeteilt. Produktgarantie und Leistungsgarantie sind verschiedene Dinge – und nur eine davon nützt Ihnen, wenn das Modul kaputtgeht.

Die Typen auf einen Blick

Den Typ erkennt man an der Oberfläche, bevor man ein Datenblatt aufschlägt: gleichmäßiges Schwarz mit abgeflachten Ecken bei monokristallinen Zellen, blau schimmernde Kristallflächen bei polykristallinen, durchlaufende Bahnen ohne Zellstruktur bei Dünnschicht.

Die Modultypen im Vergleich

TypWirkungsgradm² je kWpkWh je kWpkWh je m²Modulpreis je kWp
Monokristallin20 bis 23 %4,3 bis 5,0950 bis 1000210110 bis 170 €
CdTe18 bis 19 %5,3 bis 5,6980 bis 1030184130 bis 190 €
Polykristallin15 bis 17 %5,9 bis 6,7930 bis 980152100 bis 160 €
CIS und CIGS15 bis 17 %5,9 bis 6,7950 bis 1000155250 bis 400 €
Amorph (a-Si)6 bis 9 %11,0 bis 16,0900 bis 96069400 bis 800 €
Die fünf Zahlen, die den Typ beschreiben, in einer Zeile. Ertragswerte für die Mitte Deutschlands, Süddach, 30 Grad Neigung. Modulpreise als reine Modulkosten ohne Montage, Marktbeobachtung Stand September 2026.
Modulwirkungsgrad nach TypMittelwerte der marktüblichen Spannen: monokristallin 22, CdTe 18, polykristallin 16, CIS 16, amorphes Silizium 8 Prozent.22 %Monokristallin18 %CdTe16 %Polykristallin16 %CISund CIGS8 %Amorph (a-Si)
Mittelwerte der marktüblichen Spannen. Monokristallines Silizium und CdTe liegen inzwischen dicht beieinander – CdTe ist für deutsche Dächer allerdings kaum zu beziehen.
Dachfläche für ein Kilowatt peakBenötigte Modulfläche je Kilowatt peak in Quadratmetern: monokristallin rund 4,7, CdTe 5,5, polykristallin 6,3, CIS 6,3, amorphes Silizium 13,5.5 m²Monokristallin5 m²CdTe6 m²Polykristallin6 m²CISund CIGS14 m²Amorph (a-Si)
Dieselben Techniken, übersetzt in Dachfläche: Für ein Kilowatt peak brauchen monokristalline Module rund 4,7 Quadratmeter, amorphe fast das Dreifache. Auf einem Dach mit 40 Quadratmetern sind das 8,5 gegenüber 3 Kilowatt peak.

Was die Typen an Strom liefern

Ertrag je Kilowatt peak und je QuadratmeterSpezifischer Jahresertrag und Ertrag je Quadratmeter Dachfläche: Monokristallin 975 und 210 Kilowattstunden, CdTe 1005 und 184 Kilowattstunden, Polykristallin 955 und 152 Kilowattstunden, CIS und CIGS 975 und 155 Kilowattstunden, Amorph (a-Si) 930 und 69 Kilowattstunden.kWh je kWp und JahrkWh je m² und Jahr975210Monokristallin1005184CdTe955152Polykristallin975155CISund CIGS93069Amorph (a-Si)
Graue Säule: der spezifische Ertrag je Kilowatt peak – er unterscheidet sich kaum, weil er die Leistung schon einrechnet. Goldene Säule: der Ertrag je Quadratmeter Dachfläche – dort laufen die Typen weit auseinander.

Das ist die wichtigste Unterscheidung dieser Seite. Je Kilowatt peak liefern alle Typen ähnlich viel; CdTe liegt sogar leicht vorn, weil es bei Hitze und diffusem Licht weniger verliert. Je Quadratmeter Dach aber liefert monokristallines Silizium mit rund 210 Kilowattstunden fast das Dreifache von amorphem mit 69. Wer eine begrenzte Dachfläche hat, kauft nicht Wirkungsgrad, sondern Kilowattstunden je Quadratmeter.

Was die Typen kosten

Woraus der Preis je Kilowatt peak bestehtModulpreis und übrige Anlagenkosten je Kilowatt peak in Euro: Monokristallin 140 Euro Module und 1235 Euro Rest, CdTe 160 Euro Module und 1215 Euro Rest, Polykristallin 130 Euro Module und 1245 Euro Rest, CIS und CIGS 325 Euro Module und 1050 Euro Rest, Amorph (a-Si) 600 Euro Module und 775 Euro Rest. Schlüsselfertiger Anlagenpreis rund 1.375 Euro je Kilowatt peak.ModuleRest der Anlage140 €1235 €Monokristallin160 €1215 €CdTe130 €1245 €Polykristallin325 €1050 €CISund CIGS600 €775 €Amorph (a-Si)
Modulpreis und übrige Anlagenkosten je Kilowatt peak. Die goldene Säule ist der Teil, über den beim Modultyp entschieden wird – die graue der Teil, über den nicht entschieden wird.
Die Module sind der kleinste Posten

Bei einer schlüsselfertigen Anlage für rund 1375 Euro je Kilowatt peak kosten die monokristallinen Module etwa 140 Euro – rund 10 Prozent. Wechselrichter, Unterkonstruktion, Elektroarbeiten, Gerüst und Handwerk machen den Rest. Deshalb verschiebt die Wahl des Modultyps den Anlagenpreis kaum: Selbst der teuerste Typ in dieser Übersicht hebt den Preis je Kilowatt peak um weniger als ein Drittel, und die billigen Typen senken ihn um wenige Prozent.

Was der Wirkungsgrad wirklich bedeutet

Der Modulwirkungsgrad sagt, welcher Anteil des auftreffenden Lichts zu Strom wird. Er ist eine Flächenangabe, keine Qualitätsangabe: Ein Modul mit 22 Prozent liefert auf demselben Platz mehr als eines mit 19 – aber über Haltbarkeit, Verarbeitung und Garantie sagt die Zahl nichts.

Praktisch wird sie erst im Verhältnis zur Dachfläche. Solange das Dach groß genug ist, können Sie den Wirkungsgrad vernachlässigen und auf den Preis je Watt peak schauen. Erst wenn die Fläche knapp wird – oder eine Wärmepumpe und ein Elektroauto dazukommen – wird jedes Prozent bares Geld.

Rechnen Sie in Kilowatt peak, nicht in Modulen

Angebote vergleichen sich schlecht über die Modulzahl: 18 Module zu 440 Watt sind 7,9 Kilowatt peak, 20 Module zu 400 Watt sind 8,0. Fragen Sie nach der installierten Leistung und dem Preis je Kilowatt peak – alles andere führt in die Irre. Der Angebots-Check rechnet es aus.

Der Temperaturkoeffizient: die unterschätzte Zahl

Module werden im Sommer 50 bis 70 Grad heiß, und mit der Temperatur sinkt die Spannung. Der Temperaturkoeffizient im Datenblatt gibt an, wie viel Leistung je Grad über 25 Grad verloren geht – üblich sind −0,29 bis −0,35 Prozent je Grad.

Was das ausmacht: Bei 60 Grad Modultemperatur sind das 35 Grad über der Prüfbedingung. Mit −0,35 Prozent je Grad verliert das Modul 12,3 Prozent Leistung, mit −0,29 Prozent nur 10,2. Über zwei Prozentpunkte Unterschied – und zwar genau dann, wenn die Anlage am meisten liefern könnte. Bei Modulen mit Heterojunction-Zellen liegt der Wert noch etwas günstiger.

Was in den Garantien steht

Jedes Modul hat zwei Garantien, und sie werden regelmäßig verwechselt:

  • Die Produktgarantie deckt Material- und Verarbeitungsfehler – ein gebrochenes Glas, eine defekte Anschlussdose, eindringende Feuchtigkeit. Üblich sind 12 bis 15 Jahre, bei Glas-Glas-Modulen 25 bis 30. Das ist die Garantie, die zählt, wenn wirklich etwas kaputtgeht.
  • Die Leistungsgarantie sichert eine Mindestleistung nach einer bestimmten Zeit zu, typisch 85 bis 90 Prozent nach 25 Jahren. Sie greift nur, wenn Sie den Leistungsverlust nachweisen können – was eine Messung erfordert, die Sie oft selbst bezahlen.
  • Der Garantiegeber ist entscheidend. Eine 30-Jahres-Garantie eines Herstellers ohne europäische Niederlassung ist schwer durchzusetzen. Fragen Sie, wer im Garantiefall Ihr Ansprechpartner ist – der Betrieb vor Ort oder ein Postfach in Übersee.
  • Bei gebrauchten Modulen ist beides in der Regel weg: Herstellergarantien enden meist mit dem Ersterwerber. Was dann noch bleibt und wann sich der Kauf trotzdem rechnet, steht unter Gebrauchte Solarmodule.

Woran Sie ein gutes Modul erkennen

  • Leistung und Preis je Kilowatt peak statt Modulzahl und Endsumme.
  • Temperaturkoeffizient besser als −0,32 Prozent je Grad.
  • Produktgarantie von mindestens 15 Jahren, bei Glas-Glas 25 oder mehr.
  • Leistungsgarantie von mindestens 85 Prozent nach 25 Jahren.
  • Hersteller mit europäischer Niederlassung und einem Betrieb vor Ort, der die Abwicklung übernimmt.
  • Zertifikate nach IEC 61215 und IEC 61730 – das ist die Grundvoraussetzung, keine Auszeichnung.

Wer nach einem Testsieger sucht, findet unter Photovoltaik im Test, was Stiftung Warentest und die Prüfinstitute tatsächlich untersuchen – und warum die Frage nach dem besten Modul die falsche ist.

Die Typen im Einzelnen

  • Monokristallin – Monokristalline Module bestehen aus Zellen, die aus einem einzigen, fehlerarmen Siliziumkristall geschnitten sind.
  • Polykristallin – Polykristalline Module entstehen aus gegossenem statt gezogenem Silizium.
  • CdTe – CdTe ist die erfolgreichste Dünnschichttechnik: Sie erreicht inzwischen fast den Wirkungsgrad kristalliner Module und hat das beste Temperaturverhalten am Markt.
  • CIS und CIGS – CIS steht für Kupfer-Indium-Selenid, CIGS ergänzt Gallium.
  • Dünnschicht – Dünnschicht ist keine einzelne Technik, sondern ein Oberbegriff für Module, bei denen eine wenige Mikrometer dünne Halbleiterschicht auf einen Träger aufgedampft wird – statt aus Siliziumscheiben gesägt zu werden.
  • Amorph (a-Si) – Amorphes Silizium war die erste Dünnschichttechnik im Massenmarkt – bekannt aus Taschenrechnern und Uhren.

Häufige Fragen

Welches Modul ist das beste?

Die Frage führt in die Irre. Unter den monokristallinen Modulen der bekannten Hersteller sind die Unterschiede klein – größer ist der Unterschied zwischen zwei Betrieben, die dasselbe Modul verbauen. Achten Sie auf Garantie, Temperaturkoeffizient und darauf, wer im Schadensfall zuständig ist.

Machen bifaziale Module Sinn auf dem Hausdach?

Selten. Bifaziale Module nehmen auch von der Rückseite Licht auf – das bringt auf hellem Untergrund und bei aufgeständerter Montage 5 bis 15 Prozent. Auf einem Ziegeldach mit geringem Abstand zur Dachhaut kommt hinten kaum Licht an. Auf Flachdach, Carport oder Freifläche sieht es anders aus.

Wie lange halten Solarmodule wirklich?

Feldstudien an Anlagen aus den 1980er und 1990er Jahren zeigen Leistungsverluste von 0,2 bis 0,5 Prozent im Jahr – viele dieser Anlagen laufen bis heute. Die übliche Annahme von 25 bis 30 Jahren Nutzungsdauer ist eher konservativ; das schwächste Glied ist der Wechselrichter.

Spielt das Herkunftsland eine Rolle?

Für die Qualität weniger als vermutet – die großen chinesischen Hersteller liefern den Weltmarkt und produzieren auf demselben technischen Stand. Für die Durchsetzbarkeit von Garantien spielt die europäische Niederlassung eine Rolle. Mehr unter Solarmodule aus China.

Was passiert mit den Modulen am Ende?

Sie fallen unter das Elektrogesetz und müssen zurückgenommen werden. Glas, Aluminium und Kupfer werden verwertet, Silizium bisher nur teilweise. Einzelheiten unter Recycling von Solarmodulen.

Quellen

  • Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026 – Wirkungsgrade, Marktanteile, Degradationsraten, Temperaturverhalten
  • Datenblätter gängiger Hersteller, Stand September 2026 – Flächenbedarf, Garantien, Zertifikate
  • IEC 61215 (Bauartzulassung) und IEC 61730 (Sicherheit) – Prüfnormen für Solarmodule

Was eine Anlage mit diesen Modulen kostet, steht unter Preise 2026. Wie viel davon auf Ihr Dach passt, rechnet der Dach-Check aus.

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