Unterkonstruktion für Photovoltaik: Aufdach, Indach, Flachdach
Dachhaken, Schienen, Aufständerung: welches Montagesystem wann passt, was der Statiknachweis leisten muss und woran Sie ein gutes System erkennen.
Die Unterkonstruktion ist der größte Materialblock der Anlage und das Bauteil, das am seltensten im Angebot benannt wird. Sie trägt die Module fünfundzwanzig Jahre lang, hält Wind- und Schneelasten aus und darf das Dach dabei nicht undicht machen.
Die vier Montagearten
- Aufdach. Der Regelfall auf Ziegeldächern: Dachhaken werden am Sparren verschraubt, darauf kommen Aluminiumschienen, darauf die Module. Das Dach bleibt intakt, die Module sind hinterlüftet – gut für den Ertrag, weil kühle Module mehr liefern.
- Indach. Die Module ersetzen die Ziegel und bilden selbst die Dachhaut. Optisch ruhiger, teurer, schlechter hinterlüftet – rechnen Sie mit zwei bis fünf Prozent weniger Ertrag. Sinnvoll bei Neubau oder ohnehin anstehender Neueindeckung.
- Flachdach. Aufgeständerte Gestelle, nach Süden oder in Ost-West-Ausrichtung. Befestigt wird selten verschraubt, meist beschwert. Hier entscheidet die Statik: Ballast und Windsog müssen zusammen zur Dachlast passen.
- Fassade. Senkrecht montiert, rund 70 Prozent des Ertrags eines Süddachs, dafür gleichmäßiger über den Tag und besser im Winter. Braucht eine tragfähige Verankerung.

Was der Statiknachweis leisten muss
Er rechnet drei Lasten zusammen: das Eigengewicht von Modulen und Gestell – rund 15 bis 20 Kilogramm je Quadratmeter –, die Schneelast nach der Schneelastzone und den Windsog, der an den Dachrändern am größten ist. Ergebnis ist der nötige Abstand der Befestigungspunkte und die Antwort, ob das Dach es trägt. Mehr dazu unter Schnee und Schneelast.
Nicht an die Dachlatte. Eine Latte hält kurzfristig, aber nicht fünfundzwanzig Jahre Windsog. Wer das Dach von innen einsehen kann, sollte nach der Montage nachsehen, ob die Haken im Sparren sitzen – das ist der häufigste Ausführungsfehler und einer, der erst beim ersten schweren Sturm auffällt.
Woran Sie ein gutes System erkennen
- Der Hersteller steht im Angebot. Nicht „Aluminium-Montagesystem“, sondern Name und Systembezeichnung.
- Es gibt eine Systemgarantie über zehn bis zwanzig Jahre, und sie deckt auch die Dichtigkeit ab.
- Die Materialien passen zusammen. Aluminium und Edelstahl vertragen sich; verzinkter Stahl an Aluminium führt zu Kontaktkorrosion.
- Es gibt eine Montageanleitung mit Lastannahmen, auf die sich der Statiknachweis bezieht.
- Höhenverstellbare Dachhaken lassen sich an unebene Ziegel anpassen, ohne dass der Ziegel bricht.
Häufige Fragen
Wird mein Dach durch die Haken undicht?
Nicht bei fachgerechter Ausführung. Der Haken führt unter dem darüberliegenden Ziegel heraus, der Ziegel wird passend ausgeklinkt. Undichtigkeiten entstehen durch gebrochene Ziegel, die nicht ersetzt wurden – deshalb gehören Ersatzziegel in den Lieferumfang.
Kann ich auf ein Bitumendach montieren?
Ja, meist mit beschwerten Systemen ohne Durchdringung. Prüfen Sie Alter und Zustand der Dachhaut: Unter den Modulen wird eine Sanierung später aufwendig.
Ost-West oder Süd auf dem Flachdach?
Ost-West bringt mehr Kilowatt peak auf dieselbe Fläche, weil die Reihen enger stehen können, und verteilt den Ertrag gleichmäßiger. Süd bringt mehr je Kilowatt peak. Bei hohem Eigenverbrauch ist Ost-West meist die bessere Wahl.
Was wiegt eine Anlage?
Rund 15 bis 20 Kilogramm je Quadratmeter bei Aufdachmontage – etwa so viel wie eine zusätzliche Lage Dachziegel. Auf Flachdächern kommt der Ballast hinzu; dort sind 40 bis 120 Kilogramm je Quadratmeter möglich.
Mehr zur Technik
- Alle Bauteile im Überblick – was zusammengehört und was es kostet
- Wechselrichter – String, Hybrid, Mikro – und die Auslegung
- Montage – wie die Anlage aufs Dach kommt
- Solarkabel und Stecker – die häufigste Brandursache vermeiden
- Verschattung – was Bäume und Gauben wirklich kosten
- Netzgekoppelte Anlage – wie die Anlage mit dem Netz arbeitet
- Wallbox – das Auto mit eigenem Strom laden
- Solarcarport – wenn das Dach nicht reicht
- Recycling – was am Ende mit den Modulen passiert
Quellen
- DIN EN 1991-1-3 (Schneelasten) und DIN EN 1991-1-4 (Windlasten)
- Montageanleitungen gängiger Systemhersteller, Stand September 2026
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026 – Kostenanteile