Heizen mit Photovoltaik: was wirklich funktioniert
Heizstab, Infrarot, Klimagerät oder Wärmepumpe: wie viel Wärme aus einer Kilowattstunde Solarstrom wird – und warum der Winter das Problem ist.
Mit Solarstrom zu heizen klingt naheliegend und ist es nur zur Hälfte. Der Strom ist im Sommer im Überfluss da und im Winter knapp – also genau dann, wenn geheizt wird. Trotzdem gibt es sinnvolle Wege, und sie unterscheiden sich um den Faktor vier.
Die vier Wege im Vergleich
- Heizstab im Warmwasserspeicher. Der einfachste Weg: Ein elektrischer Heizstab wandelt Strom eins zu eins in Wärme. Kostet wenige hundert Euro, lässt sich nachrüsten und ist für Warmwasser im Sommer eine gute Lösung – siehe Warmwasser mit Photovoltaik.
- Infrarotheizung. Ebenfalls eins zu eins, dafür ohne Speicher und ohne Vorlaufzeit. Sinnvoll für einzelne Räume, die selten genutzt werden – als Hauptheizung im Bestand fast immer die teuerste Lösung, weil der Strombedarf im Winter zugekauft werden muss.
- Klimasplitgerät im Heizbetrieb. Eine Wärmepumpe im Kleinformat: Sie holt Wärme aus der Außenluft und erreicht im Jahresmittel das Drei- bis Vierfache. Ein Gerät kostet installiert 1.500 bis 3.000 Euro und kann im Sommer kühlen. Die unterschätzte Option für einzelne Räume.
- Wärmepumpe. Der eigentliche Partner der Photovoltaik: Sie macht aus einer Kilowattstunde Strom rund 3,8 Kilowattstunden Wärme und ersetzt die Heizung vollständig. Einzelheiten und Förderung unter Wärmepumpe mit Photovoltaik.
Das Winterproblem, offen gerechnet
Ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf braucht mit einer Wärmepumpe rund 5.300 Kilowattstunden Strom im Jahr – davon etwa zwei Drittel zwischen November und März. Eine 10-kWp-Anlage liefert in diesen fünf Monaten aber nur rund 1.800 Kilowattstunden, von denen ein Teil ohnehin im Haushalt gebraucht wird.
Rechnerisch deckt die Photovoltaik damit etwa 15 bis 25 Prozent des Heizstrombedarfs – nicht mehr. Wer etwas anderes verspricht, rechnet mit Jahressummen statt mit Monaten. Den Jahresgang zeigt der Ertragsrechner.
Nicht wegen der Deckungsquote, sondern wegen des Strompreises. Die Wärmepumpe erhöht den Jahresverbrauch um mehrere tausend Kilowattstunden. Selbst wenn die Anlage davon nur ein Fünftel deckt, sind das 1.000 Kilowattstunden, die nicht zu 35 Cent gekauft werden müssen – und der Eigenverbrauchsanteil der ganzen Anlage steigt spürbar.
Was die Kombination wirklich verbessert
- Eine träge Heizung. Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur speichert Wärme im Estrich. Damit lässt sich mittags vorheizen, wenn die Anlage liefert.
- Ein großzügiger Pufferspeicher. Er verschiebt Wärme um Stunden – deutlich billiger als ein Stromspeicher, der dasselbe leisten müsste.
- Eine Steuerung, die den Überschuss kennt. Viele Wärmepumpen haben einen Eingang für ein Überschusssignal vom Wechselrichter. Ohne diese Verbindung läuft die Wärmepumpe nach Wetter, nicht nach Sonne.
- Ein Blick auf § 14a EnWG. Wärmepumpen über 4,2 Kilowatt sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen – das bringt ein reduziertes Netzentgelt und erlaubt dem Netzbetreiber im Gegenzug das Drosseln, siehe § 14a EnWG.
Häufige Fragen
Kann ich mein Haus allein mit Photovoltaik heizen?
Netzunabhängig nein. Dafür bräuchten Sie einen saisonalen Speicher, der Sommerwärme in den Winter trägt – technisch möglich, wirtschaftlich für ein Einfamilienhaus nicht darstellbar. Mit Netzanschluss dagegen ist die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe heute die günstigste Heizung im Neubau.
Lohnt sich ein Heizstab im Pufferspeicher?
Für Warmwasser im Sommer ja, für die Raumheizung nein. Im Sommer ist Überschuss da und der Heizstab ersetzt den Gas- oder Ölbrenner komplett. Im Winter wäre er die teuerste Art zu heizen, weil der Strom zugekauft werden muss.
Was ist mit Infrarotheizung als Hauptheizung?
Nur in gut gedämmten Häusern mit sehr kleinem Wärmebedarf und auch dort selten die beste Wahl. Der Grund ist einfache Arithmetik: Jede Kilowattstunde Wärme kostet eine Kilowattstunde Strom. Eine Wärmepumpe braucht dafür ein Viertel.
Wie groß muss die Anlage für eine Wärmepumpe sein?
Als Anhalt: 2 bis 3 Kilowatt peak zusätzlich zum Haushaltsbedarf. Mehr bringt wenig, weil der Mehrertrag im Sommer anfällt. Rechnen Sie es im Dach-Check mit der Option „Wärmepumpe“ durch.
Weiterlesen
- Wärmepumpe mit Photovoltaik: Förderung und Auslegung
- Warmwasser mit Photovoltaik
- Solarthermie oder Photovoltaik?
- § 14a EnWG: steuerbare Verbrauchseinrichtungen
Quellen
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026 – Jahresarbeitszahlen von Wärmepumpen, Erträge nach Monaten
- Eigene Modellrechnung auf Grundlage der Monatsverteilung aus Ertrag berechnen – Rechenweg offengelegt
- § 14a EnWG und Festlegung der Bundesnetzagentur zu steuerbaren Verbrauchseinrichtungen