Photovoltaik fürs Eigenheim: Dach prüfen, Anlage planen
Photovoltaik fürs Eigenheim: welche Dachfläche taugt, wie viel Strom sie bringt, wie viel Sie selbst nutzen und wie der Weg zur Anlage verläuft.
- Der Eigenverbrauch entscheidet über die Rendite. Eine selbst genutzte Kilowattstunde ist rund 35 Cent wert, eine eingespeiste 7,70 Cent. Den Verbrauch in die Mittagsstunden zu verschieben oder eine Wärmepumpe zu betreiben verbessert die Rechnung stärker als jedes zusätzliche Modul.
- Das Dach ist seltener das Problem als gedacht. Ein Ostdach erreicht 80 Prozent des Ertrags eines Süddachs, ein Westdach 78 Prozent. Nur Norddächer fallen mit rund der Hälfte deutlich ab.
- Die Kilowattstunde vom eigenen Dach kostet 9 bis 14 Cent – über 20 Jahre gerechnet, inklusive Betriebskosten. Netzstrom kostet das Zwei- bis Dreifache.
- Ab 2027 ändert sich die Rechnung. Neue Anlagen dürfen nach dem Regierungsentwurf dauerhaft nur noch 50 Prozent ihrer Leistung einspeisen, und die Vergütung sinkt. Wer 2026 in Betrieb geht, behält die heutigen Bedingungen für 20 Jahre.
Eine Photovoltaikanlage auf dem Einfamilienhaus kostet 2026 schlüsselfertig zwischen 10.400 und 13.600 Euro, liefert rund 8.000 Kilowattstunden im Jahr und hat sich nach etwa 13 bis 15 Jahren bezahlt. Diese Seite zeigt, wie diese Zahlen zustande kommen, welche vier Größen darüber entscheiden – und wo Sie für jedes Detail weiterlesen.
Dach-Check: Was passt auf Ihr Dach?
Der Rechner setzt zwei Grenzen gegeneinander. Die erste ist die Dachfläche: Rechnen Sie mit rund fünf Quadratmetern je Kilowatt peak. Die zweite ist der Verbrauch – aber sie liegt höher, als viele denken. Jedes Kilowatt über den Eigenverbrauch hinaus bringt fast nur noch die Einspeisevergütung von 7,70 Cent; über 20 Jahre trägt sich das gerade eben. Erst wenn der Ertrag etwa das Doppelte des Jahresverbrauchs erreicht, kippt die Rechnung ins Minus. Die kleinere der beiden Grenzen ist die sinnvolle Anlagengröße.
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Gerechnet mit 35 Cent Bezugspreis, 7,70 Cent Einspeisevergütung, 1,5 Prozent Betriebskosten und 5 Quadratmetern Dachfläche je Kilowatt peak. Die Preisspanne stammt aus der Auswertung von Angeboten, der Ertrag aus der Ertragsmatrix des Fraunhofer ISE. Feiner einstellen lässt sich alles im Wirtschaftlichkeits-Rechner.
Wie viel Strom Ihr Dach bringt
Der Ertrag hängt an drei Dingen: der Einstrahlung am Standort, der Ausrichtung und der Neigung. In Norddeutschland liefert ein Kilowatt peak rund 930 Kilowattstunden im Jahr, in der Mitte 1.010, im Süden 1.090 – jeweils bei optimaler Ausrichtung. Die Ausrichtung verschiebt das Ergebnis weniger stark, als die meisten erwarten.
Ost-West-Anlagen sind deshalb kein Kompromiss aus Verlegenheit: Sie verlieren rund ein Fünftel Ertrag, liefern ihn aber gleichmäßiger über den Tag verteilt – morgens und abends, wenn im Haushalt tatsächlich Strom gebraucht wird. Der höhere Eigenverbrauch holt einen Teil des Verlusts zurück. Wie stark Bäume und Gauben wirken, steht unter Verschattung.
Wie viel davon Sie selbst nutzen
Ohne Speicher landen von den 8.000 Kilowattstunden einer 8-kWp-Anlage nur rund 1.587 im eigenen Haushalt – der Rest geht ins Netz. Das liegt am Tagesverlauf: Die Anlage liefert mittags am meisten, der Haushalt verbraucht morgens und abends. Ein Speicher verschiebt einen Teil, aber nicht beliebig viel.
Der Unterschied ist Geld: 1.077 Kilowattstunden zusätzlich selbst genutzt sparen bei 35 Cent rund 377 Euro im Jahr. Ein 7,5-Kilowattstunden-Speicher kostet aber etwa 2.588 Euro. Ob sich das trägt, hängt am Speicherpreis je Kilowattstunde – der Speicher-Teil rechnet das mit einem Tagesverlauf-Diagramm durch.
Was die Anlage kostet und was sie einbringt
Eine 8-kWp-Anlage ohne Speicher liegt schlüsselfertig bei rund 11.700 Euro. Davon ist der kleinere Teil Material: Module machen etwa ein Fünftel aus, der Wechselrichter ein Zehntel. Der Rest ist Arbeit – Unterkonstruktion, Montage, Elektroinstallation, Gerüst, Anmeldung. Deshalb schwanken Angebote für dasselbe Dach um mehrere tausend Euro, ohne dass eines davon schlecht wäre.
Gerechnet ohne Strompreissteigerung, ohne Finanzierung und mit 1,5 Prozent Betriebskosten im Jahr. Steigt der Strompreis, wird die Rechnung besser; fällt er, schlechter. Wie stark sich einzelne Annahmen auswirken, zeigt die Seite Rechnet sich eine Photovoltaikanlage? mit einer Amortisationskurve zum Verschieben.
Drei Annahmen machen jede Anlage auf dem Papier rentabel: eine Strompreissteigerung von vier Prozent, ein Eigenverbrauchsanteil von 70 Prozent ohne Speicher und ein Wechselrichter, der 25 Jahre hält. Alle drei sind unrealistisch. Fragen Sie im Angebotsgespräch nach genau diesen drei Zahlen – die Antwort sagt Ihnen mehr über den Betrieb als jedes Zertifikat.
Der Weg zur eigenen Anlage
- Verbrauch und Dach klären. Jahresabrechnung heraussuchen, Dachfläche abschätzen, Ausrichtung und Neigung bestimmen. Der Dach-Check oben nennt Ihnen daraus die passende Größe.
- Drei Angebote einholen. Weniger ist zu wenig, mehr kostet nur Zeit. Wichtig ist, dass alle drei dieselbe Anlage beschreiben – siehe Angebot prüfen.
- Angebote vergleichen. Nicht die Endsumme, sondern den Preis je Kilowatt peak und den Lieferumfang. Fehlende Posten tauchen sonst später als Nachtrag auf.
- Vertrag schließen. Zahlungsplan, Termin, Abnahme und Gewährleistung gehören hinein – was im Vertrag stehen muss.
- Montage und Anschluss. Zwei bis drei Tage auf dem Dach, dazu die Arbeiten am Zählerschrank. Der Betrieb meldet die Anlage beim Netzbetreiber an.
- Anmeldung und Inbetriebnahme. Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats, Zählerwechsel durch den Messstellenbetreiber. Erst danach läuft die Vergütung.
Was sich 2027 ändert
Der Regierungsentwurf zum EEG 2027 (Bundestagsdrucksache 21/7867) sieht zwei Änderungen vor, die für Eigenheime zählen. Erstens dürfen neue Anlagen dauerhaft nur noch 50 Prozent ihrer installierten Leistung ins Netz einspeisen. Zweitens sinkt die Vergütung für neue Anlagen. Beides gilt nur für Anlagen, die ab dem 1. Januar 2027 in Betrieb gehen.
Für die Planung heißt das: Wer 2026 in Betrieb geht, sichert sich die heutigen Bedingungen für 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr. Wer später baut, plant mit mehr Eigenverbrauch – also eher mit Speicher, Wärmepumpe oder Wallbox. Die Einzelheiten samt Fristen stehen unter Einspeisevergütung und Einspeisevergütung 2027.
Alle Themen im Überblick
Von hier aus geht es ins Detail. Die vier Gruppen folgen dem Ablauf: erst planen und kaufen, dann Technik verstehen, dann das Geld ordnen, dann betreiben.
Planen und kaufen
- Kosten und Preise 2026 – Preisspannen je Anlagengröße, Kostenstruktur, Preis-Schätzer
- Wirtschaftlichkeit – Amortisationskurve, Rendite, Stromgestehungskosten
- Die richtige Größe – Wie viele Kilowatt peak zu Dach und Verbrauch passen
- Planung – Von der Dachprüfung bis zum Zählerschrank
- Ablauf – Die sechs Schritte von der Anfrage bis zur Inbetriebnahme
- Fachbetrieb finden – Woran Sie einen guten Betrieb erkennen
- Angebot prüfen – Die Posten, die in jedem Angebot stehen müssen
- Tests und Testsieger – Was Stiftung Warentest prüft – und was nicht
- Mehrparteienhaus – Welches Modell passt: Gebäudeversorgung, Mieterstrom oder Volleinspeisung
- Vertrag – Zahlungsplan, Fristen, Abnahme, Gewährleistung
- Verschattung – Was Bäume, Gauben und Nachbarhäuser wirklich kosten
- Gutachten – Wann sich ein unabhängiger Blick lohnt
Technik verstehen
- Solarmodule – Bauarten, Wirkungsgrade, Garantien
- Monokristalline Module – Der Standard auf deutschen Dächern
- Wechselrichter – String, Hybrid, Modulwechselrichter – und die Lebensdauer
- Komponenten im Überblick – Was zu einer vollständigen Anlage gehört
- Unterkonstruktion – Aufdach, Indach, Flachdach, Fassade
- Montage – Wie die Anlage auf das Dach kommt
- Solarkabel – Querschnitt, Verlegung, Stecker
- Netzgekoppelte Anlage – Wie die Anlage mit dem Netz zusammenarbeitet
- Wallbox – Das Auto mit eigenem Strom laden
- Solarcarport – Wenn das Dach nicht reicht
Geld, Steuer, Förderung
- PV-Anlage mit Speicher – Kosten, passende Größe und ob sich der Aufpreis trägt
- PV-Anlage kaufen – Vier Wege zur Anlage, Anbietertypen, Preise nach Größe
- Photovoltaik mieten – Miete, Pacht oder Kauf – die Rechnung über 20 Jahre
- Förderung – Was es 2026 noch gibt – und was nicht
- Finanzierung – KfW 270, Modernisierungskredit, Baufinanzierung
- Steuer – Nullsteuersatz, Einkommensteuer, Kleinunternehmer
- Einspeisevergütung – Aktuelle Sätze und die Änderungen ab 2027
- Versicherung – Wohngebäude, Photovoltaik-Police, Haftpflicht
Betrieb und Sonderfälle
- Wartung – Was wirklich nötig ist und was verkauft wird
- Reinigung – Wann sie sich lohnt – und wann nicht
- Mängel – Hotspots, Mikrorisse, Ertragsausfall: erkennen und reklamieren
- Schnee – Schneelast, Schneefanggitter, Ertragsausfall im Winter
- Blitzschutz – Überspannungsschutz und äußerer Blitzschutz
- Brandschutz – Feuerwehrschalter, Leitungsführung, Mythen
- Diebstahl – Wie oft es vorkommt und was hilft
- Recycling – Rücknahme, Verwertungsquoten, Kosten am Lebensende
Häufige Fragen
Wie groß sollte die Anlage sein?
So groß, wie Dach und Verbrauch es hergeben – die kleinere der beiden Grenzen entscheidet. Die alte Faustregel „ein Kilowatt peak je 1.000 Kilowattstunden Verbrauch“ ist zu knapp: Sie stammt aus einer Zeit mit hoher Einspeisevergütung und teuren Modulen. Heute trägt sich der Ertrag bis etwa zum Doppelten des Jahresverbrauchs, weil Module billig sind und die eingespeiste Kilowattstunde die Kosten gerade noch deckt. Meist ist deshalb das Dach die Grenze, nicht der Verbrauch. Der Dach-Check oben rechnet beide aus.
Lohnt sich Photovoltaik ohne Speicher?
Ja, meist sogar besser. Ohne Speicher liegt die Amortisation bei rund 13,4 Jahren, mit Speicher eher bei 14 bis 17. Der Speicher erhöht die Autarkie, aber er kostet Geld, das erst wieder hereinkommen muss. Er lohnt sich, wenn er viele Kilowattstunden im Jahr umsetzt – also bei hohem Abendverbrauch, Wärmepumpe oder Elektroauto.
Wie lange hält eine Anlage?
Module sind auf 25 bis 30 Jahre ausgelegt; übliche Leistungsgarantien sichern nach 25 Jahren noch 85 bis 90 Prozent zu. Der Wechselrichter ist das schwächste Glied und wird meist nach 10 bis 15 Jahren getauscht – rechnen Sie mit rund 1.000 bis 1.500 Euro dafür.
Brauche ich eine Genehmigung?
Für Anlagen auf dem eigenen Wohnhaus in der Regel nicht. Ausnahmen sind Denkmalschutz, Gestaltungssatzungen mancher Gemeinden und Anlagen über Dachkante oder an der Fassade. Anmelden müssen Sie die Anlage aber immer: beim Netzbetreiber vor dem Anschluss und im Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme.
Was ist mit Mehrwertsteuer?
Auf Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen samt Speicher auf oder in der Nähe von Wohngebäuden fällt seit dem 1. Januar 2023 keine Umsatzsteuer an (§ 12 Abs. 3 UStG). Bei Anlagen bis 30 Kilowatt peak wird das ohne weitere Nachweise unterstellt. Alle Preise auf dieser Seite sind deshalb Endpreise.
Muss ich die Anlage versteuern?
Einnahmen aus Anlagen bis 30 Kilowatt peak auf Einfamilienhäusern sind seit 2022 von der Einkommensteuer befreit (§ 3 Nr. 72 EStG). Eine Gewerbeanmeldung ist in der Regel nicht nötig. Die Einzelheiten stehen unter Steuer.
Quellen
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026 – Ertragsmatrix (Abbildung 33), Stromgestehungskosten, Betriebskosten
- Bundesnetzagentur: EEG-Fördersätze – Einspeisevergütung für Anlagen bis 10 Kilowatt
- Regierungsentwurf EEG 2027, Bundestagsdrucksache 21/7867 – Einspeisegrenze und Vergütungssätze, noch nicht beschlossen
- § 12 Abs. 3 UStG und § 3 Nr. 72 EStG – Nullsteuersatz und Einkommensteuerbefreiung
- Autarkie- und Eigenverbrauchsmodell: eigene Sättigungskurve, kalibriert an den Kennwerten der HTW Berlin – Rechenweg offengelegt unter Wie wir rechnen
- Preisspannen: eigene Auswertung von Angeboten und Vergleichsportalen, Stand September 2026 – keine repräsentative Erhebung
Wenn die Zahlen für Sie passen: drei Angebote von Fachbetrieben aus Ihrer Region anfragen. Sie sehen vor dem Absenden, welche Betriebe Ihre Anfrage erhalten.