Geschichte der Solarenergie: von 1839 bis heute
Die Stationen vom photovoltaischen Effekt über die Raumfahrt bis zum Massenmarkt – und warum der Modulpreis auf ein Achtzigstel gefallen ist.
Die Photovoltaik ist keine junge Technik. Der Effekt wurde vor fast zweihundert Jahren entdeckt, die brauchbare Zelle vor siebzig. Neu ist nur eines: dass sie billig ist.
Die Stationen
Warum es so lange gedauert hat
Die erste Siliziumzelle von 1954 kostete umgerechnet mehrere hundert Dollar je Watt. Für einen Satelliten, der keine Alternative hat, ist das gleichgültig. Für ein Hausdach war es vierzig Jahre lang undenkbar. Was die Photovoltaik in den Markt gebracht hat, ist nicht ein technischer Durchbruch, sondern der Preisverfall durch Massenfertigung.
Dieser Zusammenhang ist der eigentliche Grund für den Erfolg – und der Grund, warum die deutsche Förderpolitik der Jahre 2000 bis 2012 trotz aller Kritik gewirkt hat: Sie hat die Menge geschaffen, an der die Lernkurve entlanglief. Bezahlt haben das deutsche Stromkunden, profitiert hat die ganze Welt.
Der deutsche Sonderweg – und sein Ende
Zwischen 2000 und 2012 war Deutschland der größte Photovoltaikmarkt der Welt und für einige Jahre auch ein bedeutender Produktionsstandort. Firmen wie Q-Cells, Solon und Conergy waren Weltmarktführer. Mit den Vergütungskürzungen ab 2012 und dem gleichzeitigen Aufbau chinesischer Kapazitäten brach die deutsche Zellfertigung binnen weniger Jahre zusammen.
Geblieben sind Maschinenbau, Wechselrichtertechnik und Forschung – Bereiche, in denen Deutschland weiterhin führend ist. Was daraus für den Modulkauf folgt, steht unter Solarmodule aus China.
Wo wir heute stehen
- Photovoltaik ist die billigste Stromquelle, die je gebaut wurde – gemessen an den Stromgestehungskosten großer Freiflächenanlagen.
- Die Zellwirkungsgrade nähern sich der physikalischen Grenze des Siliziums. Der nächste Sprung kommt von Tandemzellen, siehe Zukunft der Photovoltaik.
- Die Engpässe sind nicht mehr technisch, sondern strukturell: Netze, Speicher, Fachkräfte, Genehmigungen.
- Die Förderung tritt zurück. Die Einspeisevergütung sinkt planmäßig, der Eigenverbrauch wird zur tragenden Größe – siehe Einspeisevergütung.
Häufige Fragen
Wer hat die Solarzelle erfunden?
Keine einzelne Person. Becquerel beschrieb 1839 den Effekt, Fritts baute 1883 die erste Zelle, und Chapin, Fuller und Pearson stellten 1954 bei Bell Labs die erste Siliziumzelle mit brauchbarem Wirkungsgrad vor.
Warum wurde in Deutschland gefördert?
Das EEG von 2000 sollte den Markteintritt einer damals unwirtschaftlichen Technik ermöglichen. Die Rechnung ist aufgegangen, wenn auch teurer als geplant – die Kosten lagen im dreistelligen Milliardenbereich, das Ergebnis ist eine weltweit billige Technik.
Halten die alten Anlagen von damals noch?
Ja, vielfach. Module aus den frühen 2000er Jahren liefern häufig noch über 80 Prozent ihrer Nennleistung. Was nach zwanzig Jahren mit der Vergütung passiert, steht unter Förderende.
Weiterlesen
- Zukunft der Photovoltaik – was technisch kommt
- Der photovoltaische Effekt – was im Silizium passiert
- Solarmodule aus China – wie es zur Konzentration kam
Quellen
- Fraunhofer ISE: Photovoltaics Report – Preisentwicklung und Lernrate
- Bundesnetzagentur und Umweltbundesamt – Ausbauzahlen Deutschland
- Erneuerbare-Energien-Gesetz in den Fassungen von 2000, 2004, 2012 und 2023