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Ratgeber · Wissen

Geschichte der Solarenergie: von 1839 bis heute

Die Stationen vom photovoltaischen Effekt über die Raumfahrt bis zum Massenmarkt – und warum der Modulpreis auf ein Achtzigstel gefallen ist.

Redaktion: René LindelaubStand 27. September 20264 Minuten LesezeitSo rechnen wir

Die Photovoltaik ist keine junge Technik. Der Effekt wurde vor fast zweihundert Jahren entdeckt, die brauchbare Zelle vor siebzig. Neu ist nur eines: dass sie billig ist.

Die Stationen

Von der Entdeckung zum MassenmarktZeitleiste: 1839 Alexandre Edmond Becquerel beobachtet den photovoltaischen Effekt; 1883 Charles Fritts baut die erste Selenzelle – rund 1 Prozent Wirkungsgrad; 1954 Bell Laboratories stellen die erste brauchbare Siliziumzelle vor: 6 Prozent; 1958 Der Satellit Vanguard 1 fliegt mit Solarzellen – die erste ernsthafte Anwendung; 1973 Die Ölkrise macht aus einer Raumfahrttechnik ein energiepolitisches Thema; 1991 Das 1.000-Dächer-Programm bringt Photovoltaik erstmals auf deutsche Dächer; 2000 Das EEG führt die feste Einspeisevergütung ein – der Beginn des Massenmarkts; 2004 Die EEG-Novelle löst einen Boom aus, Deutschland wird größter Markt der Welt; 2012 Die Vergütung wird stark gekürzt, die deutsche Zellfertigung bricht zusammen; 2023 Der Nullsteuersatz macht Anlagen für Privatleute schlagartig günstiger; 2024 Das Solarpaket I hebt Balkonkraftwerke auf 800 Voltampere und vereinfacht alles.1839Alexandre Edmond Becquerel beobachtet den photovoltaischen Effekt1883Charles Fritts baut die erste Selenzelle – rund 1 Prozent Wirkungsgrad1954Bell Laboratories stellen die erste brauchbare Siliziumzelle vor: 6 Prozent1958Der Satellit Vanguard 1 fliegt mit Solarzellen – die erste ernsthafte Anwendung1973Die Ölkrise macht aus einer Raumfahrttechnik ein energiepolitisches Thema1991Das 1.000-Dächer-Programm bringt Photovoltaik erstmals auf deutsche Dächer2000Das EEG führt die feste Einspeisevergütung ein – der Beginn des Massenmarkts2004Die EEG-Novelle löst einen Boom aus, Deutschland wird größter Markt der Welt2012Die Vergütung wird stark gekürzt, die deutsche Zellfertigung bricht zusammen2023Der Nullsteuersatz macht Anlagen für Privatleute schlagartig günstiger2024Das Solarpaket I hebt Balkonkraftwerke auf 800 Voltampere und vereinfacht alles
Zwischen der Entdeckung des Effekts und der ersten brauchbaren Zelle liegen 115 Jahre. Zwischen der ersten brauchbaren Zelle und dem Massenmarkt noch einmal 46.

Warum es so lange gedauert hat

Die erste Siliziumzelle von 1954 kostete umgerechnet mehrere hundert Dollar je Watt. Für einen Satelliten, der keine Alternative hat, ist das gleichgültig. Für ein Hausdach war es vierzig Jahre lang undenkbar. Was die Photovoltaik in den Markt gebracht hat, ist nicht ein technischer Durchbruch, sondern der Preisverfall durch Massenfertigung.

Was ein Watt peak Modulleistung kostetModulpreis je Watt peak in Euro, Größenordnung: 1990 rund 9,00 Euro, 2000 rund 5,00 Euro, 2010 rund 1,80 Euro, 2015 rund 0,60 Euro, 2020 rund 0,25 Euro, 2026 rund 0,12 Euro. Der Preis ist in 36 Jahren auf rund ein Achtzigstel gefallen.9 €19905 €20001,8 €20100,6 €20150,2 €20200,1 €2026
Modulpreis je Watt peak als Größenordnung. Die Kurve folgt einer Lernrate von rund 20 bis 25 Prozent: Mit jeder Verdopplung der weltweit gefertigten Menge fällt der Preis um diesen Anteil.
Die Lernkurve

Dieser Zusammenhang ist der eigentliche Grund für den Erfolg – und der Grund, warum die deutsche Förderpolitik der Jahre 2000 bis 2012 trotz aller Kritik gewirkt hat: Sie hat die Menge geschaffen, an der die Lernkurve entlanglief. Bezahlt haben das deutsche Stromkunden, profitiert hat die ganze Welt.

Der deutsche Sonderweg – und sein Ende

Zwischen 2000 und 2012 war Deutschland der größte Photovoltaikmarkt der Welt und für einige Jahre auch ein bedeutender Produktionsstandort. Firmen wie Q-Cells, Solon und Conergy waren Weltmarktführer. Mit den Vergütungskürzungen ab 2012 und dem gleichzeitigen Aufbau chinesischer Kapazitäten brach die deutsche Zellfertigung binnen weniger Jahre zusammen.

Geblieben sind Maschinenbau, Wechselrichtertechnik und Forschung – Bereiche, in denen Deutschland weiterhin führend ist. Was daraus für den Modulkauf folgt, steht unter Solarmodule aus China.

Wo wir heute stehen

  • Photovoltaik ist die billigste Stromquelle, die je gebaut wurde – gemessen an den Stromgestehungskosten großer Freiflächenanlagen.
  • Die Zellwirkungsgrade nähern sich der physikalischen Grenze des Siliziums. Der nächste Sprung kommt von Tandemzellen, siehe Zukunft der Photovoltaik.
  • Die Engpässe sind nicht mehr technisch, sondern strukturell: Netze, Speicher, Fachkräfte, Genehmigungen.
  • Die Förderung tritt zurück. Die Einspeisevergütung sinkt planmäßig, der Eigenverbrauch wird zur tragenden Größe – siehe Einspeisevergütung.

Häufige Fragen

Wer hat die Solarzelle erfunden?

Keine einzelne Person. Becquerel beschrieb 1839 den Effekt, Fritts baute 1883 die erste Zelle, und Chapin, Fuller und Pearson stellten 1954 bei Bell Labs die erste Siliziumzelle mit brauchbarem Wirkungsgrad vor.

Warum wurde in Deutschland gefördert?

Das EEG von 2000 sollte den Markteintritt einer damals unwirtschaftlichen Technik ermöglichen. Die Rechnung ist aufgegangen, wenn auch teurer als geplant – die Kosten lagen im dreistelligen Milliardenbereich, das Ergebnis ist eine weltweit billige Technik.

Halten die alten Anlagen von damals noch?

Ja, vielfach. Module aus den frühen 2000er Jahren liefern häufig noch über 80 Prozent ihrer Nennleistung. Was nach zwanzig Jahren mit der Vergütung passiert, steht unter Förderende.

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Quellen

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