Solarthermie oder Photovoltaik: was aufs Dach gehört
Warum Solarthermie je Quadratmeter mehr Energie liefert und trotzdem meist die schlechtere Wahl ist – mit Vergleich von Ertrag, Wert und Nutzbarkeit.
Solarthermie gewinnt den Vergleich beim Ertrag je Quadratmeter deutlich – und verliert ihn trotzdem. Der Grund liegt nicht in der Technik, sondern darin, was man mit der gewonnenen Energie anfangen kann.
Der Vergleich, der meistens geführt wird
Ein Quadratmeter Solarkollektor liefert im Jahr rund 420 Kilowattstunden Wärme. Ein Quadratmeter Solarmodul liefert rund 210 Kilowattstunden Strom. Zwei zu eins für die Thermie – so weit die Zahl, die in jedem Vergleich steht.
Warum die Zahl in die Irre führt
- Wärme ist weniger wert als Strom. Eine Kilowattstunde Wärme ersetzt Gas für rund 12 Cent. Eine Kilowattstunde Strom ersetzt Netzstrom für 35,0 Cent – das Dreifache.
- Wärme fällt zur falschen Zeit an. Der Kollektor liefert im Juli am meisten, wenn niemand heizt. Rund ein Drittel des Jahresertrags ist schlicht nicht verwertbar – deshalb die dritte Säule oben.
- Wärme lässt sich kaum speichern. Ein Pufferspeicher überbrückt Tage, keine Monate. Strom lässt sich dagegen ins Netz geben oder ins Auto laden.
- Strom kann alles. Er heizt über eine Wärmepumpe mit Faktor drei bis vier, er lädt ein Auto, er betreibt jedes Gerät. Wärme kann nur Wärme.
- Die Dachfläche ist begrenzt. Beides nebeneinander heißt: weniger von jedem. Wer Kollektoren aufs Dach legt, verzichtet an dieser Stelle dauerhaft auf Strom.
Photovoltaik bringt je Quadratmeter rund 74 Euro im Jahr, nutzbare Solarthermie rund 31 Euro. Der Ertragsvorsprung der Thermie kehrt sich beim Geld ins Gegenteil um.
Wann Solarthermie trotzdem sinnvoll ist
- Sehr hoher Warmwasserbedarf das ganze Jahr über – Mehrfamilienhaus, Pension, Betrieb mit Duschen. Dort fällt der sommerliche Überschuss nicht an.
- Vorhandene Anlage. Eine funktionierende Solarthermie zu ersetzen, rechnet sich fast nie. Ergänzen Sie Photovoltaik auf der restlichen Fläche.
- Kein Platz für eine Wärmepumpe und Weiterbetrieb der Gasheizung: Dann ist Thermie der direktere Weg zur Wärme.
- Heizungsunterstützung mit großem Puffer im Altbau – eine Nische, aber eine reale.
Der dritte Weg
In den meisten Fällen ist die beste Antwort nicht „entweder oder“, sondern: das ganze Dach voll Photovoltaik und die Wärme über eine Wärmepumpe. Die macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme – damit schlägt die Photovoltaik die Thermie auch beim reinen Wärmeertrag je Quadratmeter.
Wer nur Warmwasser will und keine Wärmepumpe hat: Ein Heizstab im Pufferspeicher, der mit Solarüberschuss läuft, kostet ein paar hundert Euro und nutzt den Strom, der sonst für 7,70 Cent ins Netz ginge. Die Einzelheiten stehen unter Warmwasser mit Photovoltaik.
Häufige Fragen
Kann ich beides auf dem Dach kombinieren?
Technisch ja. Wirtschaftlich verschenken Sie damit die Fläche, auf der die Kollektoren liegen. Sinnvoll ist es nur, wenn das Dach ohnehin größer ist als der Strombedarf rechtfertigt.
Wie lange hält eine Solarthermieanlage?
20 bis 25 Jahre, ähnlich wie Module. Die Pumpe und die Solarflüssigkeit brauchen dagegen Wartung – etwa alle fünf Jahre, mit Kosten. Eine Photovoltaikanlage braucht keine.
Gibt es Förderung für Solarthermie?
Ja, über die Bundesförderung für effiziente Gebäude – anders als für Photovoltaik, die bundesweit nicht bezuschusst wird. Das verschiebt die Rechnung, kehrt sie aber selten um.
Was ist mit Hybridkollektoren?
PVT-Kollektoren erzeugen Strom und nutzen die Abwärme. Sie sind teuer, die Wärme hat niedrige Temperatur und passt am besten zu einer Wärmepumpe als Quelle. Eine Nische mit wenigen Anbietern.
Weiterlesen
- Warmwasser mit Photovoltaik – Heizstab, Wärmepumpe und was sich wann rechnet
- Heizen mit Photovoltaik – vier Wege im Vergleich
- Die richtige Größe – wie viel Dachfläche Sie brauchen
Quellen
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026
- Kollektorerträge: Bundesverband Solarwirtschaft und Prüfberichte des Solar Keymark, Bandbreite 350 bis 500 kWh je m² und Jahr
- Gas- und Strompreise: Bundesnetzagentur, Haushaltstarife Stand September 2026