Ökostrom oder eigener Strom: was der Vergleich wirklich ergibt
Wie Ökostromtarife funktionieren, was Herkunftsnachweise wert sind und warum selbst erzeugter Strom in jeder Hinsicht die stärkere Wahl ist.
Ein Ökostromtarif und eine eigene Anlage werden oft als Alternativen behandelt. Das sind sie nicht – der eine kostet Geld, die andere spart welches. Interessant ist die Frage trotzdem, weil sie zeigt, was ein Ökostromtarif überhaupt bewirkt.
Die Preisfrage
Der Abstand zwischen Ökostrom- und Graustromtarif beträgt heute oft weniger als einen Cent; bei manchen Anbietern ist Ökostrom sogar der günstigere Tarif. Das ist kein Marketingtrick, sondern eine Folge davon, wie Ökostrom zustande kommt.
Was ein Herkunftsnachweis ist
Ökostromtarife beruhen fast immer auf Herkunftsnachweisen – handelbaren Zertifikaten, die bescheinigen, dass irgendwo in Europa eine Kilowattstunde aus erneuerbarer Quelle erzeugt wurde. Der Nachweis wird getrennt vom Strom gehandelt. Physikalisch bekommen Sie den Strommix Ihres Netzgebiets, unabhängig vom Tarif.
| Ökostromtarif mit Nachweisen | Tarif mit Neuanlagenbindung | Eigene Anlage | |
|---|---|---|---|
| Wirkung auf den Ausbau | gering – die Anlagen stehen bereits | unmittelbar – der Anbieter finanziert Neubau | unmittelbar – Sie bauen selbst |
| Preis je kWh | 35,0 ct | meist 1 bis 3 ct mehr | 0 ct bei Eigenverbrauch |
| Woran erkennbar | Herkunftsnachweise, oft aus Wasserkraft in Skandinavien | Label wie Grüner Strom oder ok-power | Ihr eigener Zähler |
| Bindung | kündbar | kündbar | 20 bis 30 Jahre auf dem Dach |
An einem Label mit Neuanlagenkriterium – „Grüner Strom“ oder „ok-power“. Beide verlangen, dass ein Teil des Erlöses in den Bau neuer Anlagen fließt. Ein Tarif, der nur Herkunftsnachweise vorlegt, ändert am Kraftwerkspark nichts.
Warum die eigene Anlage anders wirkt
- Sie schafft neue Erzeugung. Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach ist eine, die vorher nicht existierte – unabhängig von jedem Zertifikatehandel.
- Sie spart statt zu kosten. Selbst verbrauchter Strom ersetzt Zukauf zum vollen Tarif, siehe Wirtschaftlichkeit.
- Sie ist unabhängig vom Anbieter. Kein Wechsel, keine Preisanpassung, keine Vertragslaufzeit.
- Sie wirkt dort, wo der Strom gebraucht wird – ohne Netzverluste und ohne Übertragung.
Der eine Punkt, an dem der Ökostromtarif bleibt: Er deckt die Stunden ab, in denen die eigene Anlage nichts liefert – nachts und im Winter. Beides zusammen ist deshalb kein Widerspruch, sondern die normale Kombination.
Was von der eigenen Anlage ökologisch übrig bleibt
Die energetische Amortisation einer Anlage in Deutschland liegt bei etwa einem bis zwei Jahren: So lange braucht sie, um die Energie wieder einzuspielen, die ihre Herstellung gekostet hat. Bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren liefert sie danach das Fünfzehn- bis Dreißigfache. Die CO₂-Bilanz liegt bei rund 35 bis 55 Gramm je Kilowattstunde über den Lebenszyklus – gegenüber etwa 380 Gramm im deutschen Strommix.
Häufige Fragen
Kann ich Ökostrom beziehen und selbst einspeisen?
Ja, das schließt sich nicht aus. Bezug und Einspeisung laufen über denselben Zähler, aber getrennte Verträge.
Verliere ich die Einspeisevergütung, wenn ich den Anbieter wechsle?
Nein. Die Vergütung zahlt der Netzbetreiber, nicht der Stromlieferant. Ein Tarifwechsel berührt sie nicht.
Ist Ökostrom aus norwegischer Wasserkraft sinnvoll?
Als Nachweis ja, als Wirkung kaum: Die Kraftwerke stehen seit Jahrzehnten. Das Zertifikat verschiebt eine bilanzielle Zuordnung, es baut nichts.
Was bringt ein dynamischer Tarif ökologisch?
Mehr als ein Ökostromlabel: Wer verbraucht, wenn viel erneuerbarer Strom im Netz ist, verdrängt fossile Erzeugung unmittelbar – siehe dynamischer Tarif.
Weiterlesen
- Wirtschaftlichkeit – was die eigene Anlage einbringt
- Eigenverbrauch und Autarkie – wie weit Sie kommen
- Recycling – die Bilanz am Ende der Laufzeit
Quellen
- Umweltbundesamt – Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger und Strommix
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026 – energetische Amortisation
- Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamtes