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Ratgeber · Photovoltaik

Polykristalline Solarmodule: was davon übrig ist

Polykristalline Solarmodule sind vom Neumarkt verschwunden. Was sie ausmacht, warum sie verdrängt wurden und wann sich gebrauchte Module noch lohnen.

Redaktion: René LindelaubStand 26. September 20263 Minuten LesezeitSo rechnen wir

Polykristalline Module entstehen aus gegossenem statt gezogenem Silizium. Sie haben den Markt jahrzehntelang geprägt und sind heute vom Neumarkt verschwunden – wer sie sucht, findet sie noch auf Bestandsdächern und im Gebrauchthandel.

So sieht die Oberfläche eines Moduls vom Typ Polykristallin aus. Bläulich schimmernd mit sichtbaren kristallflächen.
15 bis 17 %Modulwirkungsgrad
5,9 bis 6,7 m²Fläche je Kilowatt peak
−0,39 %/KLeistungsverlust je Grad über 25 °C
0,50 %Alterung pro Jahr
152Kilowattstunden je m² und Jahr
130 €Modulpreis je Kilowatt peak

Wie diese Module entstehen

Geschmolzenes Silizium wird in eine rechteckige Form gegossen und erstarrt dort ungerichtet. Dabei bilden sich viele einzelne Kristallbereiche, deren Grenzen den Elektronen im Weg stehen – daher der geringere Wirkungsgrad. Der Block wird in Wafer gesägt, die vollständig quadratisch sind. Das Verfahren ist einfacher und war lange billiger; mit den gefallenen Siliziumpreisen hat dieser Vorteil seine Bedeutung verloren.

Stärken

  • Auf Bestandsdächern bewährt: Anlagen aus den 2000er Jahren laufen bis heute.
  • Vollständig quadratische Zellen, dadurch keine ungenutzten Ecken im Modul.
  • Gebraucht sehr günstig – für Gartenhaus, Carport oder Inselanlagen eine Überlegung wert.

Grenzen

  • Rund ein Drittel mehr Dachfläche für dieselbe Leistung.
  • Schlechteres Temperaturverhalten als monokristalline Module.
  • Neu nicht mehr lieferbar; bei Reparaturen an Bestandsanlagen wird die Ersatzbeschaffung schwierig.

Wofür sie taugen – und wofür nicht

Geeignet: Für Ergänzungen an Bestandsanlagen und für Flächen, auf die es nicht ankommt.

Weniger geeignet: Für jede Neuanlage. Der Preisvorteil ist verschwunden, der Flächennachteil geblieben.

Im Vergleich mit den anderen Typen

Modulwirkungsgrad nach TypMittelwerte der marktüblichen Spannen: monokristallin 22, CdTe 18, polykristallin 16, CIS 16, amorphes Silizium 8 Prozent.22 %Monokristallin18 %CdTe16 %Polykristallin16 %CISund CIGS8 %Amorph (a-Si)
Mittelwerte der marktüblichen Spannen. Der Wirkungsgrad entscheidet über den Platzbedarf, nicht über die Qualität – zwei Module mit gleichem Wirkungsgrad können unterschiedlich lange halten. Die vollständige Gegenüberstellung steht unter Solarmodule im Vergleich.
TypWirkungsgradm² je kWpTemperatur­koeffizientAm Markt
Monokristallin20 bis 23 %4,3 bis 5,0−0,35 bis −0,29 %/Küber 95 Prozent der neu verbauten Module
Polykristallin15 bis 17 %5,9 bis 6,7−0,41 bis −0,37 %/Kneu praktisch nicht mehr erhältlich
CdTe18 bis 19 %5,3 bis 5,6−0,32 bis −0,28 %/Kder größte Teil des Dünnschichtmarkts
CIS und CIGS15 bis 17 %5,9 bis 6,7−0,36 bis −0,30 %/KNische, wenige Hersteller
Dünnschicht7 bis 19 %5,3 bis 14,0−0,32 bis −0,20 %/Krund 5 Prozent der weltweiten Produktion
Amorph (a-Si)6 bis 9 %11,0 bis 16,0−0,24 bis −0,18 %/Knur noch Nischen
Marktübliche Spannen, Stand September 2026. Der Temperaturkoeffizient gibt an, wie viel Leistung je Grad über 25 Grad Modultemperatur verloren geht – je kleiner der Betrag, desto besser. Quelle: Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026, ergänzt um Datenblätter gängiger Hersteller.

Häufige Fragen

Lohnt es sich, gebrauchte polykristalline Module zu kaufen?

Für Nebenzwecke ja – Gartenhaus, Werkstatt, Inselanlage. Für eine netzgekoppelte Dachanlage nein: Sie zahlen dieselbe Montage, bekommen aber ein Drittel weniger Leistung und keine Garantie.

Kann ich ein defektes polykristallines Modul durch ein monokristallines ersetzen?

Nur mit Vorsicht. In einem String müssen die Module elektrisch zusammenpassen – Spannung und Strom sollten ähnlich sein. Lassen Sie das vom Fachbetrieb prüfen, sonst verlieren Sie am ganzen String Leistung.

Woran erkenne ich polykristalline Module?

An der Farbe: Sie schimmern bläulich und zeigen im Licht deutlich sichtbare Kristallflächen, fast wie Eisblumen. Monokristalline Zellen wirken dagegen gleichmäßig dunkel.

Die anderen Modultypen

  • Monokristallin – Monokristalline Module bestehen aus Zellen, die aus einem einzigen, fehlerarmen Siliziumkristall geschnitten sind.
  • CdTe – CdTe ist die erfolgreichste Dünnschichttechnik: Sie erreicht inzwischen fast den Wirkungsgrad kristalliner Module und hat das beste Temperaturverhalten am Markt.
  • CIS und CIGS – CIS steht für Kupfer-Indium-Selenid, CIGS ergänzt Gallium.
  • Dünnschicht – Dünnschicht ist keine einzelne Technik, sondern ein Oberbegriff für Module, bei denen eine wenige Mikrometer dünne Halbleiterschicht auf einen Träger aufgedampft wird – statt aus Siliziumscheiben gesägt zu werden.
  • Amorph (a-Si) – Amorphes Silizium war die erste Dünnschichttechnik im Massenmarkt – bekannt aus Taschenrechnern und Uhren.

Quellen

Wenn Sie wissen wollen, was eine Anlage mit diesen Modulen kostet: Preise 2026 – oder gleich Angebote von Fachbetrieben vergleichen.

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