Eigenverbrauch und Autarkie: wie weit ein Speicher wirklich trägt
Was Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad unterscheidet, welche Werte erreichbar sind und warum 100 Prozent Autarkie in Deutschland nicht bezahlbar ist.
Zwei Begriffe werden ständig verwechselt, und der Unterschied entscheidet über die ganze Rechnung: Die Eigenverbrauchsquote misst, was Sie von Ihrem Strom behalten. Der Autarkiegrad misst, was Sie von Ihrem Bedarf selbst decken. Das sind verschiedene Zahlen mit verschiedenen Nennern.
Die beiden Quoten
| Größe | Zähler | Nenner | Typisch |
|---|---|---|---|
| Eigenverbrauchsquote | selbst genutzter Solarstrom | gesamter Solarertrag | 25–35 % ohne, 55–70 % mit Speicher |
| Autarkiegrad | selbst gedeckter Verbrauch | gesamter Stromverbrauch | 25–35 % ohne, 55–70 % mit Speicher |
Ein Beispiel: 10 kWp auf dem Dach, 4.500 Kilowattstunden Verbrauch. Die Anlage erzeugt rund 10.000 Kilowattstunden. Werden davon 2.800 selbst genutzt, ist die Eigenverbrauchsquote 28 Prozent – der Autarkiegrad aber 62 Prozent. Dieselbe Anlage, dieselbe Kilowattstundenzahl, zwei völlig verschiedene Prozentwerte.
Was erreichbar ist
Die Kurve flacht ab, und zwar aus einem Grund, den kein Speicher beseitigt: Im Dezember liefert eine Anlage etwa ein Zehntel des Juniertrags. Ein Speicher überbrückt Stunden, nicht Monate. Wer die dunklen Wochen aus eigener Erzeugung decken wollte, bräuchte Kapazität im Bereich mehrerer Megawattstunden – das kostet ein Vielfaches des Hauses.
Über etwa 70 Prozent Autarkie kommt man mit vertretbarem Aufwand nicht hinaus. Jeder weitere Punkt kostet überproportional viel Kapazität. Wer Angebote sieht, die 90 Prozent versprechen, sollte nach der unterstellten Anlagengröße und dem unterstellten Verbrauch fragen – meist stimmt eine der beiden Zahlen nicht.
Was den Eigenverbrauch ohne Speicher erhöht
- Verbrauch in die Mittagsstunden verlegen. Wasch- und Spülmaschine mit Zeitvorwahl bringen ohne jede Investition mehrere Prozentpunkte.
- Warmwasser elektrisch nachheizen. Ein Heizstab im Pufferspeicher nimmt Überschuss auf, der sonst für 7,70 Cent ins Netz ginge. Technisch simpel, wirtschaftlich oft besser als die ersten Kilowattstunden Batterie.
- Das Auto tagsüber laden. Eine Wallbox mit Überschussladen ist der wirksamste Hebel überhaupt, siehe Wallbox.
- Die Anlage nicht zu groß auslegen, wenn der Eigenverbrauch das Ziel ist. Für die Rendite gilt allerdings das Gegenteil – die Abwägung steht unter die richtige Größe.
Häufige Fragen
Warum zählt Autarkie für die Wirtschaftlichkeit wenig?
Weil sie kein Geld misst. Entscheidend ist, wie viele Kilowattstunden Sie nicht zukaufen müssen, und was die Vermeidung jeder einzelnen kostet – siehe Speicherkosten.
Bringt ein größerer Speicher mehr Autarkie?
Bis etwa einer Kilowattstunde Kapazität je 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ja, danach kaum noch. Für 4.500 Kilowattstunden sind das rund 4,5 bis 6 Kilowattstunden nutzbare Kapazität.
Zählt der Speicherverlust gegen die Autarkie?
Ja. Von zehn eingespeicherten Kilowattstunden kommen rund 9 wieder heraus. Diese Verluste sind in den Zahlen oben bereits enthalten.
Kann ich ganz vom Netz?
In Deutschland praktisch nicht, siehe Inselanlage. Der Netzanschluss bleibt außerdem die günstigste Versicherung gegen den schwächsten Monat.
Mehr zum Speicher
- Was ein Speicher kostet – Preise je Kilowattstunde und die Rechnung dahinter
- Batterietypen – LFP, NMC und was sonst noch angeboten wird
- Nachrüsten – Speicher zu einer bestehenden Anlage
- Notstrom und Ersatzstrom – Was bei Stromausfall wirklich läuft
- Speicher und Wärmepumpe – Warum die Rechnung hier anders aussieht
- Dynamischer Tarif – Laden, wenn der Börsenpreis fällt
Quellen
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 20.08.2026
- Rechenmodell dieser Seite: Autarkie ohne Speicher 40 % × (1 − e^(−1,2 × Ertrag/Verbrauch)), mit Speicher min(85 %, 30 % + 25 % × Ertrag/Verbrauch) – dasselbe Modell wie in allen Rechnern hier
- Verbrauchsprofil: Standardlastprofil H0 der Verteilnetzbetreiber