Zum Inhalt springen
Kostenlose Beratung: 03381 2689168 Sie sind Fachbetrieb für Photovoltaik? Partner werden und Anfragen erhalten
Angebote vergleichen
Ratgeber · Autark und mobil

Inselanlage: Solarstrom ohne Netzanschluss auslegen

Insellösung richtig auslegen: Bestandteile, Kosten, welcher Akku sich rechnet – und wann eine Inselanlage ins Marktstammdatenregister muss.

Redaktion: René LindelaubStand 20. Oktober 20267 Minuten LesezeitSo rechnen wir

Eine Inselanlage besteht aus vier Teilen, von denen einer über Kosten und Lebensdauer entscheidet. Die Auslegung folgt einer einzigen Frage: Wie viel brauchen Sie am Tag – und in welchem Monat?

Insellösung, Inselbetrieb, Off-Grid-Anlage meinen dasselbe: eine Anlage ohne Verbindung zum öffentlichen Netz. Genau diese fehlende Verbindung entscheidet über drei Dinge – über die Auslegung, über den Wechselrichter und darüber, ob die Anlage überhaupt angemeldet werden muss.

Die vier Bestandteile

  • Das Modul erzeugt Gleichstrom. Für Inselanlagen sind 12-Volt-Module üblich; größere Anlagen nutzen normale Module mit MPPT-Laderegler.
  • Der Laderegler schützt die Batterie vor Überladung und Tiefentladung. Zwei Bauarten, siehe unten.
  • Die Batterie speichert, was tagsüber übrig bleibt. Sie ist der teuerste Teil und der, der zuerst kaputtgeht.
  • Der Wechselrichter macht 230 Volt daraus – nur nötig, wenn Sie Haushaltsgeräte betreiben wollen. Wer bei 12 Volt bleibt, spart ihn und die Wandlungsverluste.

Was eine Inselanlage kostet

Das hängt weniger an der Modulleistung als an der Batterie und an der Frage, in welchem Monat die Anlage tragen soll. Die Bauteile einzeln:

BauteilPreisspanneWovon es abhängt
Modul40–120 € je 100 WpEchte 12-Volt-Module kosten je Watt mehr als Standardmodule fürs Dach.
Laderegler20–60 € (PWM), 60–180 € (MPPT)MPPT lohnt ab etwa 100 Watt peak, siehe unten.
Batterie150–200 € (Blei), 450–650 € (LiFePO4) je 100 AhDer größte Posten – und der, der die Folgekosten bestimmt.
Wechselrichter60–250 €Nur nötig für 230-Volt-Geräte. Reiner Sinus kostet mehr als modifizierter.
Kabel, Sicherungen, Halter50–150 €Wird regelmäßig vergessen und ist bei 12 Volt nicht der Ort zum Sparen.
Marktüberblick, Stand September 2026 – eigene Beobachtung, keine repräsentative Erhebung.

Zwei durchgerechnete Fälle, beide auf unseren Seiten hinterlegt: Ein Gartenhaus mit Licht, Radio und gelegentlichem Werkzeugbetrieb von Frühjahr bis Herbst liegt bei 400 bis 800 Euro. Ein Wohnmobil mit 200 Watt peak, MPPT-Regler und 100-Ah-LiFePO4-Batterie bei 900 bis 1.500 Euro. Ganzjährige Versorgung einer Hütte ohne Netz kostet ein Vielfaches davon, weil der Dezember die Anlage bestimmt – dazu unten mehr.

Der Preisvergleich, der in die Irre führt

Fertige Komplettsets wirken günstig, weil sie meist mit Bleibatterie und PWM-Regler gerechnet sind. Rechnen Sie die Kosten je bewegter Kilowattstunde, nicht den Kaufpreis – die Tabelle unten zeigt den Unterschied. Was in Sets steckt und wo ihre Grenzen liegen, steht unter Solar-Komplettsets.

PWM oder MPPT: der Laderegler

PWM schaltet das Modul einfach auf die Batteriespannung herunter. Billig, verlustbehaftet, und nur sinnvoll, wenn Modul- und Batteriespannung ohnehin zusammenpassen – also bei echten 12-Volt-Modulen.

MPPT sucht den Arbeitspunkt mit der höchsten Leistung und wandelt die überschüssige Spannung in Strom um. Das bringt je nach Bedingungen 10 bis 30 Prozent mehr Ertrag, besonders bei Kälte und bei Modulen mit höherer Spannung. Der Aufpreis von 40 bis 120 Euro rechnet sich ab etwa 100 Watt peak.

Welche Batterie sich rechnet

TypNutzbarZyklenPreis je 100 AhKosten je kWh Durchsatz
Blei-Säure50 % (600 Wh)400150 €62,5 ct
AGM50 % (600 Wh)600230 €63,9 ct
Gel60 % (720 Wh)900280 €43,2 ct
LiFePO485 % (1.020 Wh)4.000550 €13,5 ct
Werte je 100 Amperestunden bei 12 Volt. Die letzte Spalte ist die ehrliche: Preis geteilt durch die Strommenge, die der Akku in seinem Leben bewegt. Marktüberblick, Stand September 2026.

Die letzte Spalte dreht das Bild: Eine Blei-Säure-Batterie kostet in der Anschaffung ein Drittel einer LiFePO4, aber je bewegter Kilowattstunde ein Mehrfaches. Dazu kommt, dass sie nur halb entladen werden darf – für dieselbe nutzbare Kapazität brauchen Sie also die doppelte Nennkapazität und damit das doppelte Gewicht.

Die Rechnung, die man aufmachen sollte

Preis geteilt durch die Strommenge, die der Akku in seinem Leben bewegt. Bei 100 Amperestunden LiFePO4 sind das 4.000 Zyklen mal 1,02 Kilowattstunden – über 4.000 Kilowattstunden für 550 Euro, also rund 13 Cent je Kilowattstunde. Blei liegt bei über 60 Cent.

So legen Sie die Anlage aus

  1. Tagesverbrauch aufschreiben. Jedes Gerät mit Leistung und Betriebsstunden, zusammenrechnen – die Übersicht unter Autark und mobil hilft.
  2. Den schwächsten Monat wählen. Wann brauchen Sie die Anlage? Nur im Sommer reicht ein Fünftel dessen, was ganzjährige Nutzung erfordert.
  3. Modulleistung bestimmen: Tagesverbrauch geteilt durch den Tagesertrag je Watt peak – 4,0 Wattstunden im Sommer, 0,7 im Winter.
  4. Batterie auf zwei bis drei Tage auslegen. Ein bedeckter Tag darf die Versorgung nicht beenden. Rechnen Sie mit der nutzbaren Kapazität, nicht mit der aufgedruckten.
  5. Reserve einplanen. Zwanzig Prozent auf beide Werte – Verbrauch wird immer unterschätzt.

Für Wohnmobile rechnet der Wohnmobil-Planer beides zusammen aus.

Muss ich eine Inselanlage anmelden?

Eine echte Inselanlage nicht – sie lässt sich nicht einmal registrieren. Die Marktstammdatenregisterverordnung nimmt in § 5 Abs. 2 Nr. 1 Stromerzeugungseinheiten und Stromspeicher aus, die „weder unmittelbar noch mittelbar an ein Stromnetz angeschlossen sind“ oder angeschlossen werden sollen. Wer eine Hütte oder ein Gartenhaus ohne jede Netzverbindung versorgt, meldet nichts an.

Die Falle steckt im Wort „mittelbar“

Sobald die Anlage auf irgendeinem Weg mit dem Hausnetz zusammenkommt, ist sie mittelbar angeschlossen – und damit registrierungspflichtig. Das gilt für einen Umschalter zwischen Insel und Hausnetz ebenso wie für einen netzfähigen Wechselrichter, der die Einspeisung nur softwareseitig unterdrückt. Die Grenzfälle sind nicht abschließend geklärt; im Zweifel fragen Sie vor dem Bau beim Register nach, nicht danach. Wie die Anmeldung läuft, steht unter PV-Anlage an- und abmelden.

Von der Registrierung zu trennen sind zwei andere Fragen: Für die Arbeit an der 230-Volt-Seite gelten dieselben Regeln wie überall – siehe selber bauen –, und ob die Anlage in Ihrer Wohngebäudeversicherung mitversichert ist, sollten Sie nachsehen; mobile Anlagen auf Fahrzeugen sind es in der Regel nicht.

Inselanlage ist nicht dasselbe wie Notstrom

Zwei Fragen, die ständig verwechselt werden. Eine Inselanlage versorgt dauerhaft etwas, das kein Netz hat. Notstrom versorgt vorübergehend ein Haus, das sonst am Netz hängt. Wer bei Stromausfall weiterkochen will, braucht keine Inselanlage, sondern eine Anlage mit Ersatzstromfunktion – und die hat andere Technik, andere Kosten und andere Grenzen. Das steht unter Notstrom und Ersatzstrom.

Auch gängig, aber selten sinnvoll: ein Balkonkraftwerk im Inselbetrieb. Dessen Wechselrichter ist netzgeführt; ohne Netz liefert er nichts. Dafür braucht es ein Gerät mit eigenem Inselbetrieb, und dann ist man bei der Technik dieser Seite.

Typische Fehler

  • Nach Jahresmittel auslegen. Der Dezember liefert ein Siebtel des Julis – wer mit dem Mittelwert plant, sitzt im Winter im Dunkeln.
  • Nennkapazität statt nutzbarer Kapazität rechnen. Eine 100-Ah-Bleibatterie hat 600 nutzbare Wattstunden, keine 1.200.
  • Zu dünne Kabel. Bei 12 Volt fließt für dieselbe Leistung der zwanzigfache Strom wie bei 230 Volt. Querschnitte großzügig wählen und die Wege kurz halten.
  • Keine Absicherung. Zwischen Batterie und allem anderen gehört eine Sicherung, möglichst nahe am Pluspol. Ein Kurzschluss an einer Batterie ist kein kleines Ereignis.
  • Blei- und Lithiumbatterien mischen. Geht nicht – sie haben unterschiedliche Ladekennlinien und ruinieren sich gegenseitig.

Häufige Fragen

12 oder 24 Volt?

Bis etwa 300 Watt peak reichen 12 Volt, darüber wird 24 Volt sinnvoll: halber Strom, dünnere Kabel, geringere Verluste. Prüfen Sie aber, ob Ihre Geräte 24 Volt vertragen.

Brauche ich einen Wechselrichter?

Nur für 230-Volt-Geräte. Jede Wandlung kostet fünf bis zehn Prozent, und viele Wechselrichter ziehen auch im Leerlauf Strom. Wer bei 12 Volt bleiben kann, sollte es tun.

Wie lange hält eine LiFePO4-Batterie?

Bei 4.000 Zyklen und täglicher Nutzung rechnerisch über zehn Jahre. In der Praxis begrenzt eher das Alter als die Zyklenzahl – und Kälte: Unter null Grad darf sie nicht geladen werden, gute Akkus haben dafür eine Heizung oder eine Sperre.

Was kostet eine Inselanlage?

Für Gartenhaus-Betrieb von Frühjahr bis Herbst 400 bis 800 Euro, für ein Wohnmobil mit 200 Watt peak und LiFePO4-Batterie 900 bis 1.500 Euro. Ganzjährige Versorgung ohne Netz kostet deutlich mehr, weil der Dezember die Auslegung bestimmt und nicht der Juli.

Kann jeder Wechselrichter Inselbetrieb?

Nein. Netzgekoppelte Wechselrichter sind netzgeführt: Sie brauchen das Netz als Taktgeber und schalten ohne es ab – das ist eine Sicherheitsfunktion, kein Fehler. Für Inselbetrieb braucht es einen netzbildenden Insel- oder Hybridwechselrichter.

Muss eine Inselanlage ins Marktstammdatenregister?

Eine wirklich netzferne Anlage nicht; § 5 Abs. 2 Nr. 1 MaStRV nimmt sie ausdrücklich aus – eine Registrierung ist für sie also gar nicht vorgesehen. Sobald die Anlage über einen Umschalter oder einen netzfähigen Wechselrichter mit dem Hausnetz zusammenkommt, ist sie mittelbar angeschlossen – dann gilt die Pflicht.

Kann ich eine Inselanlage später ans Netz hängen?

Nur mit anderem Wechselrichter. Inselwechselrichter sind netzbildend, netzgekoppelte Geräte netzgeführt – siehe Netzeinspeisegerät.

Mehr zum Inselbetrieb

Quellen

Angebote vergleichen