Solarcarport: Kosten, Bauart, Genehmigung, Zulassung
Was ein Solarcarport kostet, welche Bauart passt, warum Module über dem Stellplatz eine eigene Zulassung brauchen und wann er sich gegenüber dem Dach lohnt.
Ein Solarcarport ist zwei Dinge auf einmal: ein Stellplatz und eine Photovoltaikanlage. Das klingt nach doppeltem Nutzen und ist rechnerisch meist teurer als beides getrennt – außer in drei Fällen, in denen er die einzige sinnvolle Lösung ist.
Wann er sich lohnt
- Das Hausdach ist ungeeignet. Denkmalschutz, Nordausrichtung, starke Verschattung oder ein Dach, das in wenigen Jahren neu gedeckt werden muss.
- Der Carport steht ohnehin an. Dann zahlen Sie nur den Aufpreis für die Solarvariante, nicht die ganze Konstruktion.
- Ein Elektroauto steht darunter. Erzeugung und Verbrauch am selben Ort, kurze Leitungswege, Wallbox direkt daneben – siehe Wallbox.
Steht dagegen ein taugliches Hausdach zur Verfügung, ist die Dachanlage je Kilowatt peak deutlich günstiger: Die tragende Konstruktion ist dort schon da.
Was er kostet
Ein Solarcarport für zwei Fahrzeuge mit rund 5 bis 6 Kilowatt peak liegt bei 9.000 bis 18.000 Euro – je nach Material, Fundament und Ausführung. Zum Vergleich: Dieselbe Leistung auf einem vorhandenen Dach kostet 7.000 bis 9.000 Euro, siehe Preise.
Der Aufpreis von grob 3.000 bis 9.000 Euro ist der Preis für den Stellplatz. Wer den ohnehin gebaut hätte, rechnet anders als jemand, der ihn nur wegen der Module errichtet.
Als Bausatz wird es günstiger: Marktübersichten nennen 4.500 bis 9.000 Euro ohne Montage. Rechnen Sie aber mit, was Sie nicht selbst dürfen – der elektrische Anschluss gehört in jedem Fall in die Hand einer Elektrofachkraft, und das Fundament entscheidet über die Statik. Was am Bausatz gespart wird, geht oft beim Nachbessern wieder weg.
Die Zulassung, nach der kaum jemand fragt
Was über einem Stellplatz hängt, hängt über Menschen und Fahrzeugen. Bauordnungsrechtlich ist ein Modulfeld über einer Verkehrsfläche darum Überkopfverglasung – und dafür gelten eigene Anforderungen. Geprüft werden drei Dinge: ob das Modul durchsturzsicher ist, ob es nach einem Glasbruch noch Last trägt (Resttragfähigkeit) und ob keine Bruchstücke herunterfallen können.
Dafür gibt es Module mit einer Überkopfzulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik. Sie sind in der Regel Glas-Glas-Module; ein Standardmodul mit Rückseitenfolie erfüllt die Anforderungen nicht ohne Weiteres. Ein Modul ohne diese Zulassung ist nicht automatisch unzulässig – der Nachweis muss dann nur anders geführt werden, über eine Zustimmung im Einzelfall. Das kostet Zeit und Geld.
Verlangen Sie den Modultyp mit Zulassungsnummer, nicht nur die Wattzahl. Ein Angebot, das „Solarcarport, 6 kWp“ schreibt und den Modultyp offenlässt, lässt genau die Frage offen, die hinterher teuer wird. Wer die Nummer nennt, hat sie – wer ausweicht, hat sie vermutlich nicht.
Holz, Stahl oder Aluminium?
- Holz ist in der Anschaffung meist am günstigsten und fügt sich optisch in die meisten Grundstücke. Dafür will es gepflegt werden: streichen, nachsehen, wo Wasser steht. Wer das nicht vorhat, kauft sich in zehn Jahren Arbeit ein.
- Aluminium rostet nicht, braucht keine Pflege und baut schlanker – die Stützen sind dünner bei gleicher Tragfähigkeit. Es ist das Material, mit dem die meisten Systemanbieter arbeiten, und es ist teurer als Holz.
- Stahl trägt am meisten und wird vor allem dort eingesetzt, wo große Spannweiten nötig sind – auf Firmenparkplätzen eher als neben dem Einfamilienhaus. Verzinkung ist Pflicht, sonst beginnt die Rostfrage.
Für die Modulfrage macht das Material keinen Unterschied – wohl aber für die Statik: Die Lasten aus Schnee und Wind gehen bei jedem Carport direkt in Stützen und Fundament, nicht in eine vorhandene Dachkonstruktion.
Lichtdurchlässig oder dicht – zwei verschiedene Fragen
Beides wird oft verwechselt, und beides sollte vor der Bestellung geklärt sein.
- Lichtdurchlässig. Semitransparente Glas-Glas-Module lassen Licht zwischen den Zellen hindurch; je nach Zellabstand sind das etwa 15 bis 35 Prozent. Darunter wird es nicht hell, aber auch nicht düster wie unter einem Blechdach. Der Preis dafür ist Leistung: Was an Licht durchgeht, erzeugt keinen Strom. Wer die Fläche maximal nutzen will, nimmt ein undurchsichtiges Modul.
- Regendicht. Das ist eine Frage der Konstruktion, nicht des Moduls. Module sind dicht, die Fugen dazwischen nicht. Ein Carport wird regendicht durch eine geschlossene Dachhaut darunter oder durch ein Profilsystem, das die Fugen mit Dichtungen schließt und das Wasser in eine Rinne führt. Ohne eines von beidem tropft es zwischen den Modulen durch – auf das Auto.
Genehmigung: der Punkt, der überrascht
Anders als eine Anlage auf dem bestehenden Dach ist ein Carport ein eigenes bauliches Vorhaben. Ob er genehmigungsfrei ist, richtet sich nach der Landesbauordnung und hängt an Grundfläche, Höhe und Abstand zur Grundstücksgrenze. In vielen Ländern sind kleine Carports verfahrensfrei – die Solarmodule ändern daran meist nichts, die Grenzbebauung schon.
Zwei Fragen genügen: Ist ein Carport dieser Größe an dieser Stelle verfahrensfrei? Und gibt es einen Bebauungsplan, der etwas zu Dachform, Material oder Stellplätzen sagt? Beides kostet einen Anruf und erspart im Zweifel einen Rückbau.
Worauf es bei der Ausführung ankommt
- Statik für Schnee und Wind. Ein Carport hat keine tragende Dachkonstruktion aus dem Hausbau – die Lasten gehen direkt in Stützen und Fundament, siehe Schnee und Schneelast.
- Entwässerung. Rinne und Fallrohr gehören in die Planung, nicht in die Nachbesserung – siehe oben, „Lichtdurchlässig oder dicht“.
- Leitungsweg zum Haus. Ein Erdkabel will geplant und gegraben werden; das gehört in die Kalkulation.
- Verschattung durch Bäume. Carports stehen oft am Grundstücksrand und damit näher an Bewuchs als das Hausdach – siehe Verschattung.
Einen vorhandenen Carport nachrüsten
Das ist der Fall, in dem die Rechnung am ehesten aufgeht – wenn die Statik mitspielt. Ein Fertigcarport aus dem Baumarkt ist für Schnee und Eigengewicht ausgelegt, nicht für zusätzlich rund 15 bis 20 Kilogramm je Quadratmeter aus Modulen und Unterkonstruktion. Lassen Sie die Tragfähigkeit prüfen, bevor Sie Angebote einholen; bei einem Bausatz steht die zulässige Zusatzlast manchmal in der Aufbauanleitung.
Zwei Punkte entscheiden darüber, ob es praktisch funktioniert: Ob die vorhandene Dachfläche eine Unterkonstruktion aufnehmen kann – bei Wellplatten oder Trapezblech ist das etwas anderes als bei einem Flachdach mit Balkenlage. Und ob die Module über eine Verkehrsfläche kommen; dann gilt dasselbe wie beim Neubau, siehe oben.
Häufige Fragen
Passt ein Wohnmobil darunter?
Nur wenn Sie es vorher einplanen. Übliche Carports haben eine Durchfahrtshöhe um 2,20 bis 2,50 Meter, ein Wohnmobil braucht je nach Aufbau 2,80 bis 3,20 Meter. Höher bauen heißt größere Stützen, mehr Windlast und oft, dass die Verfahrensfreiheit nach Landesbauordnung entfällt – dort stehen Höhengrenzen. Messen Sie Ihr Fahrzeug, bevor Sie ein Angebot einholen.
Kann ich den Strom direkt ins Auto laden?
Ja, und das ist der wirtschaftlichste Fall: Erzeugung und Verbrauch am selben Ort, kurze Leitungswege. Nötig ist eine Wallbox, die Überschussladen beherrscht, sonst zieht sie Strom aus dem Netz, sobald die Sonne kurz weg ist. Einzelheiten unter Wallbox.
Lohnt sich ein Speicher am Carport?
Die Frage hängt nicht am Carport, sondern am Verbrauch im Haus. Ein Speicher gehört dorthin, wo der Strom gebraucht wird – meist ins Haus, nicht in den Carport. Ob er sich rechnet, steht unter Was ein Speicher kostet.
Zählt der Carport zur selben Anlage wie das Hausdach?
Wenn beides hinter demselben Zähler hängt und zusammen angemeldet wird: ja. Das kann Leistungsschwellen berühren – siehe Anlage erweitern.
Gibt es Förderung für Solarcarports?
Bundesweit nicht. Einzelne Kommunen fördern Ladeinfrastruktur oder Stellplatzbegrünung; fragen Sie vor dem Kauf nach, der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt sein.
Halten die Module Hagel aus?
Nach der Bauartzulassung werden sie auf Hagelkörner von 25 Millimetern geprüft – dieselbe Anforderung wie auf dem Dach. Ein Carport ist dabei nicht schlechter gestellt.
Kann ich einen vorhandenen Carport nachrüsten?
Wenn die Statik es hergibt. Lassen Sie die Tragfähigkeit prüfen, bevor Sie Angebote einholen – viele Fertigcarports sind für zusätzliche Lasten nicht ausgelegt.
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Quellen
- Landesbauordnungen der Länder – Verfahrensfreiheit, Grenzbebauung und Höhengrenzen
- DIN EN 1991-1-3 und 1991-1-4 – Schnee- und Windlasten
- Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt) – allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen für Photovoltaikmodule als Überkopfverglasung. Die geprüften Eigenschaften sind Durchsturzsicherheit, Resttragfähigkeit und Splitterschutz. Ob ein bestimmtes Modul zugelassen ist, steht im Zulassungsverzeichnis des DIBt – die Zulassungsnummer nennt der Hersteller
- Solarserver, 16.06.2026 – Beispiel für ein Modul mit DIBt-Überkopfzulassung; belegt, dass es solche Module am Markt gibt
- Lichtdurchlass semitransparenter Glas-Glas-Module: Herstellerdatenblätter, Spanne rund 15 bis 35 Prozent je nach Zellabstand. Der Wert steht im Datenblatt des jeweiligen Moduls
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